Große Festivitäten zu Ehren von Erfinder Tesla

10. Juli 2006, 10:05
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Graz ehrt bahnbrechenden Elektroingenieur mit Festakt - Heldenstatus in Kroatien und Serbien

Genies dürfen verschroben sein. Nikola Tesla war ein recht überdrehtes Exemplar. Der 150. Geburtstag des am 10. Juli 1856 geborenen Erfinders und Elektroingenieurs wird in Kroatien und Serbien groß gefeiert. In Österreich hingegen nur ein bisschen. Dabei gehörte sein Geburtsdorf Smiljan im heutigen Kroatien einmal zur österreichisch-ungarischen Monarchie. Zudem studierte Tesla in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts an der Technischen Hochschule in Graz.

Pionier des Wechselstroms

In der steirischen Mur-Metropole wurde er für seine bahnbrechenden Ideen zuerst freilich belächelt. Tesla war ein Pionier des Wechselstroms, den er für Elektromotoren nutzen wollte. Sein Professor hielt dies für Fantasterei. Tesla trotzte, bezahlte die Studiengebühren nicht und flog hinaus. Dabei behielt er Recht: Nach seiner Emigration nach Amerika - 1891 wurde er US-Bürger - setzte er sich bei der Elektrifizierung sogar gegen einen Gleichstrom-Fanatiker namens Thomas Alva Edison durch.

Verdienste von Tesla

Auch das Radio und die Fernsteuerung haben wir im Grunde Tesla zu verdanken, obwohl das heute kaum noch einer weiß. Teslas Ziele waren drahtlose Netze, die Energie und Informationen rund um den Erdball transportieren sollten. Damals nichts als Visionen, welche die Handy-Generation von heute als selbstverständlich nimmt. Angeblich war er auch mit Plänen für Weltraumwaffen beschäftigt. Die Idee von US-Präsident Ronald Reagan zu einem weltraumgestützten Raketenabwehrsystem (SDI) soll ebenfalls auf grundsätzliche Ideen von Tesla zurückgegriffen haben.

Anstrengender Zeitgenosse

Im "normalen" Leben war Nikola Tesla wohl ein eher anstrengender Charakter. Wer mit ihm Mahlzeiten einnahm, musste damit rechnen, den Kubikinhalt von Gläsern oder Suppenschüsseln vorgerechnet zu bekommen. Er hatte der Legende nach auch die Manie, dass alles, was ihn umgab, durch drei teilbar sein musste. Er schlief selten und war ein so großer Goethe-Fan, dass er sein gesamtes Werk immer mit sich herumtrug. Im Kopf, er wusste es nämlich auswendig.

Aufwendiges Leben

Nicht jedes Patent, das Tesla anmeldete, wurde auch umgesetzt. Eine Kreuzung aus Helikopter und Flugzeug etwa oder ein Elektroauto, das mit Strom aus dem Weltall angetrieben werden sollte. Deshalb, und weil er ein sehr aufwendiges Leben führte, starb er am 7. Jänner 1943 mittellos in New York. Stilvoll in einem First-Class-Hotel, das er sich eigentlich gar nicht mehr leisten konnte. An der Tür hing ein Schild: "Don't disturb". So wurde er erst nach einiger Zeit gefunden.

In Österreich beschränkt sich das Gedenken an Tesla heuer auf einen Festakt in Graz, wo die Hochspannungshalle der TU am 7. Juli in "Nikola Tesla Labor" umbenannt wird. Bereits 1937 hatte ihm die damalige Technische und Montanistische Hochschule Graz-Leoben nachträglich ein Ehren-Doktorat verliehen.

Volksheld

Am Balkan aber wird Tesla in seltener Eintracht mit großem Pomp gefeiert. Als Sohn eines serbisch-orthodoxen Priesters, der gleichermaßen "stolz auf seine serbische Herkunft und seine kroatische Heimat" war, galt er auch im ehemaligen Jugoslawien als Volksheld, der sogar auf Geldscheinen abgebildet war.

Sowohl Kroatien als auch Serbien riefen heuer ein Tesla-Jahr aus. Im Zentrum von Zagreb wurde ein Denkmal aufgestellt, Belgrad benannte seinen Flughafen nach ihm. Ein großes Museum für ihn steht dort schon länger.

Sonst ist sein Ruhm eher verblasst. In der Physik ist "das Tesla" nach ihm benannt, die physikalische Einheit der magnetischen Flussdichte: 1T = 1N/(1A*1m). Aber wer weiß das schon?(Edgar Schütz/APA)

Ausstellung "Nikola Tesla und die Technik in Graz", 19. Juni bis 14. Juli, TU Graz, Hochspannungshalle, Inffeldgasse 18.
Links

tesla-museum.org

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