Vorwürfe gegen Grasser

16. Juli 2006, 18:05
246 Postings

"profil": Bankenaufsicht und Nationalbank wussten bereits 2001 von Liechtenstein- Krediten - Ministerium: "Vorwürfe haltlos"

Wien - Sowohl Bankenaufsicht als auch die Nationalbank (OeNB) hatten bereits 2001 detaillierte Kenntnis von den Milliardenkrediten der Bawag an drei Stiftungen in Liechtenstein. Das berichtet das "profil" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe unter Berufung auf den OeNB-Prüfbericht vom 27. April 2001. OeNB und Finanzministerium schieben sich nun gegenseitig die Verantwortung zu.

Geschäftsbeziehungen zu Flöttl dokumentiert

Bisher war davon ausgegangen worden, dass der Bericht lediglich Hinweise auf administrative Mängel und die Verletzung gesetzlicher Bestimmungen enthalte. Tatsächlich aber werden auch die Geschäftsbeziehungen zu Wolfgang Flöttl minutiös dokumentiert, heißt es in einer "profil"-Vorausmeldung.

Vier Personen seien mit dem Bericht unmittelbar in Berührung gekommen: die frühere OeNB-Vizegouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell, OeNB-Direktor Andreas Ittner sowie die damaligen Bankenaufseher im Finanzministerium Alfred Lejsek und Alexander Gancz.

Gegenseitige Schuldzuweisung

Gancz, heute pensioniert, gegenüber "profil": "Offenbar hat man dem Bericht nicht die Bedeutung beigemessen, die er in der Nachbetrachtung hat." Seiner Darstellung zufolge liegt die Verantwortung für die damaligen Versäumnisse bei der OeNB. "So weit ich mich erinnere, hatte sich die OeNB ausdrücklich verpflichtet, bei Auffälligkeiten sofort Alarm zu schlagen. Das ist hinsichtlich der Bawag nie geschehen."

Die OeNB dementiert das. Ein hochrangiger Vertreter gegenüber "profil": "Wir haben den Bericht im Finanzministerium abgeliefert. Es ist unbestritten, dass darin eine Reihe von Sachverhalten angeführt wurden, welche die Bankenaufsicht zum Handeln hätten bewegen müssen. Dass nichts geschehen ist, ist nicht die Schuld der Nationalbank."

Finanzministerium weist Vorwürfe zurück

Das Finanzministerium wies die Vorwürfe umgehend zurück. Die im "profil" "als Neuigkeit dargestellten Informationen" aus dem bekannten Prüfbericht würden keinerlei Anhaltspunkte für ein Aufsichtsthema ergeben, hieß es in einer Aussendung. Transaktionen in Stiftungen seien am Kapitalmarkt nicht ungewöhnlich und als solche noch kein Grund für gesonderte Überprüfungen.

Im OeNB-Bericht sei in keinem Wort die Rede gewesen von den Milliardenverlusten, einer Gefährdung der Bank und einer damit verbundenen Garantie des ÖGB oder einer Notwendigkeit der Überprüfung der erwähnten Transaktionen. So habe es "ebenso ein schriftliches Dementi der BAWAG im Zusammenhang mit dem OENB-Bericht über aktuelle Geschäftsbeziehungen mit Flöttl" gegeben. "Es handelt sich hier um einen Kriminalfall, der nunmehr die Justizbehörden beschäftigt", hieß es in der Ministeriums-Aussendung. (APA)

Share if you care.