Chronologie: Ereignisse im Gaza-Streifen

3. Juli 2006, 12:06
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Hamas-Wahlsieg - Innerpalästinensischer Machtkampf - Israelische Militäraktion

Gaza - Neun Monate, nachdem es sich aus dem Küstenstreifen am Mittelmeer zurückgezogen hat, verfolgt Israel mit seiner gegenwärtigen Militäraktion im Gaza-Streifen offenbar das Ziel, die palästinensische Hamas-Regierung zu zerschlagen. Die wichtigsten Ereignisse seit dem israelischen Abzug im September 2005:

12. September 2005: Israel schließt den von Ministerpräsident Ariel Sharon gewollten Rückzug ab. Die Palästinenser übernehmen auch die Kontrolle über die aufgegebenen israelischen Siedlungen.

15. November: Die USA vermitteln eine Vereinbarung über die Grenzöffnung zwischen Gaza-Streifen und Ägypten. EU-Beobachter werden in Rafah stationiert.

25. Jänner 2006: Die radikale Hamas gewinnt die Wahlen zum palästinensischen Parlament (Legislativrat) haushoch.

18. Februar: Bei der Konstituierung des neuen Parlaments verweist Präsident Mahmoud Abbas auf die Bedeutung des Oslo-Prozesses und betont, dass der 1993 in Washington unterzeichnete israelisch-palästinensische Grundlagenvertrag das Fundament der palästinensischen Selbstverwaltung sei und von jeder künftigen Regierung akzeptiert werden müsse.

29. März: Die neue Hamas-Regierung unter Premierminister Ismail Haniyeh wird von Präsident Abbas vereidigt, dessen abgewählte Fatah nach gescheiterten Koalitionsverhandlungen in die Opposition wechselt.

7. April: USA und EU stoppen alle direkten Hilfen an die palästinensische Verwaltung. Sie wollen damit die Hamas zwingen, Israel anzuerkennen, der Gewalt abzuschwören und die bisherigen Nahost-Vereinbarungen einzuhalten.

8. Mai: Gefechte zwischen Hamas- und Fatah-Anhängern fordern drei Todesopfer.

17. Mai: Die Regierung stellt gegen den Willen von Abbas eine parallele Sicherheitstruppe auf, die von der Hamas gelenkt wird. Es kommt zu Zusammenstößen mit den Fatah-dominierten regulären Sicherheitskräften.

30. Mai: Die israelische Armee stößt erstmals seit ihrem Abzug kurzfristig auf Gaza-Gebiet vor und tötet drei Palästinenser, die nach israelischen Angaben Raketenangriffe auf Israel vorbereiteten.

9. Juni: Der von der Hamas-Regierung eingesetzte Sicherheitschef Jamal Abu Samhadana wird durch einem israelischen Luftangriff "gezielt getötet". Der militärische Hamas-Flügel "Brigaden Ezzedin al-Kassam" kündigt daraufhin den seit 16 Monaten eingehaltenen Waffenstillstand auf.

13. Juni: Bei einem gezielten Luftangriff der Israelis auf zwei Extremisten werden elf Palästinenser - darunter drei Kinder - getötet.

22. Juni: Informelles Treffen zwischen Abbas und Israels Premier Ehud Olmert in Petra in Jordanien.

25. Juni: Die Kassam-Brigaden unternehmen gemeinsam mit zwei ultraradikalen Gruppen - den "Volkswiderstandskomitees" und der "Islam-Armee" - ihren ersten Überfall auf die israelischen Streitkräfte seit deren Abzug. Sie töten zwei israelische Soldaten und verschleppen den 19-jährigen Korporal Gilad Shalit.

27. Juni: Hamas und Fatah einigen sich nach schwierigen Verhandlungen auf ein Grundsatzdokument über eine Zwei-Staaten-Lösung, das die Anerkennung Israels in den Grenzen von 1967 impliziert. Damit erübrigt sich ein von Abbas Anfang Juni angekündigtes, von der Hamas vehement abgelehntes Referendum.

28. Juni: Die israelische Armee riegelt den Gaza-Streifen vollständig ab und stößt in den Süden des Gebiets vor. Sie zerstört Brücken und das einzige Kraftwerk, 70 Prozent der eineinhalb Millionen Einwohner sind ohne Strom.

29. Juni: Israel nimmt im Westjordanland acht palästinensische Minister - ein Drittel des Hamas-Kabinetts - fest. Unter den insgesamt 64 festgenommenen Hamas-Funktionären sind mehr als 20 Parlamentsabgeordnete und mehrere Bürgermeister. Die "Volkswiderstandskomitees" bekennen sich zur Tötung einer Geisel, eines 18-jährigen Siedlers aus dem Westjordanland. Dessen Leiche wird bei Ramallah gefunden.

30. Juni: Israel setzt seine massiven Luftangriffe fort, getroffen wird auch das Innenministerium in Gaza. Die angedrohte Ausweitung der Offensive im Norden unterbleibt zunächst, um ägyptischen Vermittlern Zeit zu geben, eine Freilassung des israelischen Soldaten herbeizuführen.

1. Juli: Die Entführer Shalits verlangen die Freilassung von tausend Häftlingen aus Gefängnissen in Israel sowie ein Ende der Militäroffensive. Abbas beklagt die Uneinigkeit innerhalb der Hamas.

2. Juli: Israelische Kampfhubschrauber schießen den Amtssitz von Ministerpräsident Haniyeh in Gaza in Brand. In der Nacht werden weitere Hamas-Einrichtungen angegriffen. Ein Hamas-Anhänger stirbt dabei im nördlichen Gaza-Streifen. (APA/Reuters/AFP)

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