Peres: Angriff auf Haniyeh Amtssitz war klare Warnung

7. Juli 2006, 12:49
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Israelische Armee feuerte zwei Raketen auf Büro des palästinensischen Ministerpräsi­denten - Annan kritisiert Angriff

Gaza - Der israelische Vizeministerpräsident Shimon Peres hat den Raketenangriff auf den Amtssitz des palästinensischen Ministerpräsidenten vom frühen Sonntagmorgen als "klare Warnung" bezeichnet. Der Angriff sei in der Nacht erfolgt, als klar gewesen sei, dass Ministerpräsident Ismail Haniyeh nicht anwesend sein würde, sagte Peres am Sonntag im US-Fernsehsender CNN.

Haniyeh müsse sein "Doppelverhalten" ändern: "Entweder es ist eine Regierung mit allen Verantwortlichkeiten einer Regierung, oder es ist eine Terrororganisation mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben." Die Tatsache, dass die Hamas-Vertreter "einst gewählt wurden, gibt ihnen nicht das Recht, auf Israelis zu schießen, sie zu töten, in Gefahr zu bringen, zu entführen", sagte Peres.

Annan kritisiert israelischen Angriff auf Haniyehs Büro

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat den israelischen Angriff auf das Büro des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Haniyeh als "nicht empfehlenswert" kritisiert. Die palästinensischen Einrichtungen und die Infrastruktur müssten erhalten werden, da sie eine wichtige Rolle im Friedensplan für den Nahen Osten spielten, sagte Annan am Sonntag am Rande eines Gipfels der Afrikanischen Union (AU) in Gambia. "Sie werden die Basis einer möglichen Zwei-Staaten-Lösung sein und die ist im Interesse von Israel und den Palästinensern."

Amtssitz von Haniyeh in Gaza-Stadt zerstört

Während israelische Bodentruppen am Nordostrand des Gazastreifens sprungbereit auf das Signal zum Vorstoß in den Raum von Bet Hanoun warteten, schien die Diplomatie noch eine letzte kleine Chance zu haben.

Israelischen Medienberichten zufolge hatten die Ägypter von der Hamas verlangt, bis Montagabend Antwort auf einen Vermittlungsvorschlag zu geben. Details wurden nicht bekannt, aber die Grundidee dürfte sein, dass der vor mehr als einer Woche verschleppte Soldat Gilad Shalit freigelassen wird und Israel im Gegenzug seine Militäroperation abbricht, die vergangenen Mittwoch festgenommenen 64 Hamas-Politiker wieder freisetzt und in der Zukunft vielleicht noch weitere palästinensische Häftlinge entlässt.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gab sich am Wochenende relativ optimistisch: "Es gibt keinen Zweifel daran, dass das Problem des Soldaten gelöst werden wird", sagte Abbas vor Journalisten in Gaza, "wir sind nicht in einer Sackgasse."

Doch es blieb unklar, wer auf der palästinensischen Seite die Entscheidungsgewalt hat - die eigentlichen Entführer, die drei verschiedenen Fraktionen angehören, der radikale Hamas-Flügel in Damaskus oder die Hamas-Regierung unter Ismail Haniyeh. Ein Fatah-Funktionär gab inzwischen unter Berufung auf Vermittler an, dass der Soldat von einem palästinensischen Arzt behandelt worden und "in stabilem Zustand" sei.

Israel blieb offiziell dabei, dass irgendeine Art von Gefangenenaustausch nicht infrage käme. "Wir werden uns keiner Erpressung beugen", sagt Premier Ehud Olmert am Sonntag vor dem Ministerrat: "Jeder versteht, dass wir nur den nächsten Terrorakt bestellen, wenn wir heute vor dem Terror kapitulieren. "Auch am Wochenende setzten die Israelis indessen ihre Zermürbungskampagne aus der Luft fort. Weitere Straßen und Hamas-Einrichtungen wurden zerstört, und in der Nacht auf Sonntag schoss ein Apache-Hubschrauber sogar eine Rakete auf das Amtsgebäude von Premier Haniyeh in Gaza ab.

Getroffen wurde der erste Stock, in dem sich Haniyehs Kanzlei befindet, verletzt wurde aber niemand, weil die Räume gegen zwei Uhr früh menschenleer waren. Haniyeh hält sich seit dem Beginn der Krise meist versteckt, weil er um sein Leben fürchtet, kam aber noch während der Dunkelheit zum Büro, um die Schäden zu inspizieren. (Red/DER STANDARD, Printausgabe, 3. Juli 2006)

Von Ben Segenreich aus Tel Aviv
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    Ismail Haniyeh rief vor seinem zerstörten Büro die Weltgemeinschaft zum Handeln auf.

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    Fotografen und palästinensische Zivilisten suchen in der Nähe des Amtssitzes des Premiers Deckung, als der Einschlag kommt.

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    Ein palästinensischer Sicherheitsbeamter wacht in den Trümmern von Ministerpräsident Haniyehs ehemaligem Büro.

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