Für Gianlucca Pessotto

1. Juli 2006, 13:44
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Squadra widmete Sieg dem in Lebensgefahr schwebenden Ex-Teamspieler, im Semi­finale gegen Deutsch­land "alles möglich"

Hamburg - Im "Spiel seines Lebens" hat Gianlucca Zambrotta die "Squadra Azzurra" ins Traum-Halbfinale gegen Deutschland und sich selbst in die Herzen der Italiener geschossen. "Dieser Sieg ist für Gianlucca Pessotto", war Italiens Held beim souveränen 3:0-Viertelfinalerfolg über den WM-Debütanten Ukraine in der Stunde seines großen Triumphes in Gedanken bei seinem mit dem Tode ringenden "großen Freund".

Mit seinem frühen Tor zum 1:0 (6.), einer Rettungsaktion auf der Linie (58.) und der Vorlage zum 3:0 durch Luca Toni (69.) war der Verteidiger von Juventus Turin beim bisher stärksten Turnierauftritt des dreifachen Weltmeisters der überragende Spieler.

Seit zwei Jahren hatte Zambrotta für Juve keinen Treffer mehr erzielt. Aber statt sich nach seinem zweiten Tor für die Nationalmannschaft feiern zu lassen, machte der 29-Jährige seinen Ex-Teamkollegen Pessotto zum eigentlichen Star in Hamburg: "Ich hoffe, dies gibt ihm Kraft", meinte Zambrotta. Gemeinsam mit seinem Turiner Teamkollegen Fabio Cannavaro lief er nach dem Abpfiff mit einer Italien-Flagge über den Platz, auf der "Pessottino, wir sind bei Dir" stand. Auch die Tifosi präsentierten Spruchbänder mit der Aufschrift "Pessotto im Herzen". Nach seinem Selbstmordversuch am Dienstag ist der 35-Jährige noch immer nicht außer Lebensgefahr.

Auch der italienische Teamchef Marcello Lippi widmete den Sieg, der ihn "glücklich, zufrieden und stolz" machte, "Pessotto und seiner Familie". Der achte Einzug der "Squadra Azzurra" unter die besten Vier einer WM war nach dem Manipulationsskandal, dem Drama um Pessotto und der Kritik am italienischen "Catenaccio" Balsam für die Seelen: "Jetzt genießen wird den Sieg und dann ist alles möglich", erklärte Lippi vor dem fünften WM-Halbfinalduell mit Deutschland. "Wehe, hier gibt sich jetzt schon einer zufrieden", warnte der 58-Jährige sein Team, das er noch längst nicht am Ziel sieht.

Italien ist bereit für den Klassiker gegen Deutschland in Dortmund. Die Abwehr um den überragenden Kapitän Cannavaro ist "Weltklasse", lobte Lippi. Spielmacher Francesco Totti bewies mit einer "Fersler"-Vorlage zum 1:0 durch Zambrotta und mit einer präzisen Flanke für Luca Tonis 2:0 in der 59. Minute, dass er nach seinem Wadenbeinbruch Mitte Februar auf dem Weg zu alter Klasse ist.

Im Sturm freute sich der Coach vor allem über den Erfolg seiner Sturheit. Aller Kritik zum Trotz hielt Lippi am zuletzt glücklosen Toni fest, und der Florentiner dankte es ihm mit zwei Toren gegen die harmlosen Ukrainer. "Jetzt kann Toni der Paolo Rossi 2006 werden", erinnerte der wiederum fehlerfreie Torhüter Gianluigi Buffon an Italiens WM-Helden von 1982. "

"Auch Rossi ist damals erst im fünften WM-Spiel das erste Tor gelungen", zog Toni die Parallele zu Rossi als gutes Omen für das "sehr schwere Spiel gegen Deutschland". Im WM-Finale 1982 schlug Italien die Deutschen mit 3:1. Den bisher letzten Titel für die "Azzurri" leitete Rossi mit dem Tor zum 1:0 ein.

Italien trifft nun bereits zum dritten Mal in Folge auf den WM-Gastgeber. 1998 schieden die "Azzurri" im Viertelfinale gegen Frankreich nach Elfmeterschießen aus, 2002 beendete ein "Golden Goal" der Südkoreaner bereits im Achtelfinale die italienischen Träume vom ersten großen Titel seit 1982. Lippi weiß: "Es wird schwer, aber es wird auch für Deutschland schwer." (APA/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein italienische Fahne nach Spielende für Gianlucca Pessotto.

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