Wilde Szenen nach Schlusspfiff

1. Juli 2006, 15:38
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Mertesacker in Tumult verletzt, Wunde nach Elfmeterschießen - FIFA leitet Untersuchung ein - Bierhoff kritisiert Argentinier

Berlin - Während des Tumults nach dem Elfmeterschießen im WM-Viertelfinale gegen Argentinien ist der deutsche Innenverteidiger Per Mertesacker durch einen Fußtritt des argentinischen Ersatzspielers Leandro Cufre am Oberschenkel verletzt worden. Die durch die Stollen aufgerissene Wunde habe geblutet, erklärte Teammanager Oliver Bierhoff am Samstag in Berlin.

"Per war entsetzt, dass so etwas vorkommt", meinte der ehemalige Nationalstürmer. Dem Profi von Hannover 96 sei erst ein Bein gestellt worden. Als Mertesacker den Urheber habe zur Rede stellen wollen, sei der Tritt gefolgt.

Bericht wurde angfordert

Nach dem Elfmeterschießen hatte der slowakische Referee Lubos Michel Cufre, der gar nicht mitgespielt hatte, noch auf dem Spielfeld die Rote Karte gezeigt. Bierhoff berichtete, dass die FIFA von der deutschen Mannschaft einen Bericht über den genauen Ablauf de Rangelei verlangt hat. Er befürchte aber keine disziplinarrechtlichen Folgen.

Bierhoff wollte nach dem Tritt gegen Mertesacker nach eigenen Worten "dazwischen gehen", um eine Eskalation zu verhindern. "Das waren Wortgefechte, mehr auch nicht." Die Argentinier seien eben sehr heißspornig, fügte er erklärend an.

Bierhoff kritisiert Argentinier

Wenn die Südamerikaner nun dem Schiedsrichter die Schuld für die Niederlage zuschöben, sei dies "völlig verfehlt", so Bierhoff. Mehrmals habe Argentinien versucht, das Spiel durch vorgetäuschte Verletzungen zu verzögern. Als der Referee dann ein Mal einen am Boden liegenden Spieler ignoriert habe, sei dieser sofort aufgesprungen und habe weiter gespielt. "Komischerweise gab es danach keine derartigen Vorfälle mehr", meinte der 38-Jährige.

Die Partie sei insgesamt "gespickt mit Provokationen" gewesen, erklärte Bierhoff. Ihm sei berichtet worden, auch während des Elfmeterschießens hätten Argentinier die deutschen Schützen angesprochen und zu beeinflussen versucht. Verteidiger Arne Friedrich kommentierte die Szenen mit Bedauern: "Wir haben bis jetzt eine sehr faire WM erlebt. Das passte nicht ins Bild." Die deutsche Mannschaft könne froh sein, dass sie sich an den Handgreiflichkeiten nicht aktiv beteiligt habe und deswegen keine Gelbe oder Rote Karte bekommen habe.

Untersuchung angekündigt

Die FIFA hat jedenfalls eine Untersuchung der Handgreiflichkeiten angekündigt. "Die Disziplinarkommission wird anhand der Berichte und Videos untersuchen, ob noch weitere Vorfälle Gegenstand eines Verfahrens werden könnten", erklärte FIFA-Mediendirektor Markus Siegler am Samstag.

Da Deutschland bereits am Dienstag die erste Halbfinal-Begegnung gegen Italien in Dortmund bestreitet, müsse die Disziplinarkommission vorher eine Entscheidung treffen. "In Bezug auf die deutsche Mannschaft besteht eine gewisse Dringlichkeit, wenn sich einer etwas zu Schulden kommen lassen hätte", sagte Siegler.

Verfahren gegen Cufre

Mit weiteren Sanktionen müssen aber vor allem die ausgeschiedenen Südamerikaner rechnen. "Gegen Cufre wird ein Verfahren eingeleitet, wie es immer bei einer direkten Roten Karte passiert", so Siegler.

In der aufgeladenen Atmosphäre nach Spielende attackierte zudem der Argentinier Maxi Rodriguez den deutschen Mittelfeldspieler Sebastian Schweinsteiger, ohne dass dies zunächst geahndet wurde.

Blatter "wütend"

FIFA-Präsident Joseph Blatter reagierte verärgert. "Ich bin wütend darüber", sagte Blatter am Samstag dem englischen Sender BBC. "Wir werden Schritte gegen jene unternehmen, die als die Provokateure dieses Zwischenfalls identifiziert werden."

Blatter hatte kein Verständnis für die Vorkommnisse nach dem Elfmeterschießen. "Das war wirklich nicht nötig", sagte Blatter zu den Tumulten, "nach 120 Minuten ist Fußball ein Drama, dann folgt das Elfmeterschießen, und der Fußball wird zur Tragödie. Aber einer ist der Sieger, und einer ist der Verlierer. Im Fußball lernt man das Gewinnen, aber man muss auch lernen, zu verlieren."(APA/dpa)

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    Mertesacker ob des Trittes ein wenig verwundert.

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