Noch ein Sieg zum Final-Traum

1. Juli 2006, 13:31
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Klinsmann nach Krimi gegen Argentinien: "Die wollen jetzt wirklich Weltmeister werden" - Wilde Szenen nach Schlusspfiff

Berlin - Nur noch ein Sieg trennt Deutschland von seinem größten Fußball-Traum. Das WM-Finale am 9. Juli ist für die Mannschaft von Jürgen Klinsmann nach dem Viertelfinal-Krimi gegen Argentinien in Berlin in greifbarer Nähe. "Wir haben jetzt einen großen Brocken aus dem Weg geräumt", meinte Teamkapitän Michael Ballack. "Ich hoffe, dass wir jetzt unseren großen Traum verwirklichen können."

Der Traum beinhaltet eine Rückkehr in die Hauptstadt, wo am kommenden Sonntag das Finale steigt. Davor stellt sich am Dienstag in Dortmund Italien in den Weg der DFB-Auswahl, die Spiel für Spiel ein ganzes Land in Euphorie versetzt. "Der Glaube an diese Mannschaft und in dieser Mannschaft ist extrem groß", erklärte Klinsmann. "Die wollen jetzt wirklich Weltmeister werden."

Erstmals in Rückstand geraten

Obwohl die Deutschen weiterhin seit Oktober 2000 (1:0 in London gegen England) kein Weltklasse-Team in der regulären Spielzeit bezwungen haben, ist deren Selbstvertrauen in schier unermessliche Höhen gestiegen. Nach dem Elfmeter-Thriller rutschte dem besonnenen Bundestrainer in der Euphorie sogar der Satz "Sie haben gut mitgespielt" über die Argentinier über die Lippen.

Tatsächlich waren es die Südamerikaner, die nach einem Kopfball-Tor von Ayala lange Zeit wie der Sieger ausgesehen hatten. Erstmals in diesem Turnier war der Gastgeber im Rückstand und gefordert. Topscorer Klose (5 Tore) erlöste Deutschland, erhielt die Chancen auf den vierten WM-Titel nach 1954, 1974 und 1990 am Leben. "Wir haben immer an eine Comeback geglaubt", betonte Klinsmann.

Ballack: "Ich hatte überall Krämpfe"

Der Kapitän ging mit gutem Beispiel voran. Obwohl Ballack spielerisch wenig gelang, kämpfte er, bis ihn in der Verlängerung körperliche Probleme einholten. "Ich hatte überall Krämpfe", verriet der Neo-Mittelfeldspieler von Englands Meister Chelsea. "Wir hatten schon dreimal gewechselt und es musste einfach gehen." Die Fitnessprobleme hielten ihn auch nicht davon ab, einen Elfmeter zu verwerten.

Dem Spiel attestierte Ballack bei wenig spielerischen Höhepunkten hohes taktisches Niveau. "Wir haben kaum Fehler gemacht, waren wie schon die Spiele davor sehr diszipliniert." Ein Rezept, das auch gegen Italien Erfolg bringen soll. Im Traumfinale könnte dann Titelverteidiger Brasilien warten, dem die Deutschen 2002 noch als klarer Außenseiter unterlegen waren.

Wilde Szenen nach Schlusspfiff

Mit den "Gauchos" hat Deutschland bereits einen Topfavoriten nach Hause geschickt. "Argentinien ist eine der beiden stärksten Mannschaften der Welt", erinnerte Klinsmann und verwies stolz darauf, dass fünf Spieler seines Teams noch in der U21 spielberechtigt wären. Dass die Südamerikaner dem slowakischen Schiedsrichter Lubos Michel in seinen Entscheidungen Deutschland-Lastigkeit attestierten, schien niemanden zu interessieren.

Nach dem entscheidenden Elfmeterschießen, in dem DFB-Keeper Jens Lehmann mit zwei gehaltenen Penaltys zum Helden avancierte, musste Michel sogar noch zum Roten Karton greifen, weil Cufre ausgerastet war. "Natürlich ist man enttäuscht, aber so eine Aggression kann ich trotzdem nicht verstehen", erklärte Deutschland-Verteidiger Per Mertesacker, der vom argentinischen Ersatzspieler in den Unterleib getreten worden war.

Pekerman: "Es war ein emotionales Spiel"

Rudelbildung war die Folge, der den Weltverband FIFA noch beschäftigen dürfte. Beinahe alle Teammitglieder beider Verbände waren beteiligt, doch Argentiniens Teamchef Jose Nestor Pekerman spielte den Vorfall herunter. "Es war ein emotionales Spiel. Das Level war unglaublich hoch, wir empfinden großen Respekt füreinander." Deutschland könne seiner Einschätzung nach problemlos Weltmeister werden.(APA)

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  • Alle Hände voll zu tun.

    Alle Hände voll zu tun.

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