Pekerman gab Rätsel auf

1. Juli 2006, 13:16
52 Postings

Der argentinische Coach nahm nach Führungs­treffer die spielerische Note aus dem Spiel und kam Rück­tritts­for­derungen zuvor

Berlin - In der entscheidenden Phase des Viertelfinal-Schlagers gegen Deutschland haben der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft am Freitag die Kreativität, die Torgefährlichkeit und die offensive Genialität gefehlt, die sie im Verlauf der WM-Endrunde in Deutschland ausgezeichnet hatte. Teamchef Jose Nestor Pekerman muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den Hebel nach der 1:0-Führung in Berlin voreilig auf Sicherheit umgelegt zu haben.

Juan Roman Riquelme und Hernan Crespo waren beim Ausgleich durch Klose (80.) bereits ausgewechselt, die Jungstars Lionel Messi und Javier Saviola kamen nicht einmal zum Einsatz. Die argentinische Presse hatte schnell einen Schuldigen für das unglückliche Aus im Elfmeterschießen gefunden. Pekerman, der sein Amt im September 2004 angetreten hatte, kam ihr mit einer Rücktrittsankündigung unmittelbar nach Spielende zuvor.

"Ich habe immer an dieses Team geglaubt"

Dabei hatte der ehemalige Nachwuchstrainer, der Argentinien zu drei U20-Weltmeistertiteln führte, diese Mannschaft in all ihrer Klasse selbst geformt. "Ich habe immer an dieses Team geglaubt und es hat mich nie enttäuscht", erklärte der 55-Jährige. Selbst der Stoiker Pekerman tat sich schwer, bei seinen Abschiedsworten den Wehmut, die Enttäuschung, die Emotion zu verbergen. "Wir haben immer wie der Sieger ausgesehen."

Tatsächlich hatten die Argentinier lange wie die spielerisch stärkere Mannschaft gewirkt - bis Pekerman Riquelme durch den defensiven Mittelfeldspieler Cambiasso und Crespo durch Julio Cruz ersetzte. "Wir haben Kontrolle über den Ball und durch Cruz eine physische Präsenz im Angriff gebraucht", argumentierte der Teamchef. Er hatte im entscheidenden Moment auf das falsche Pferd gesetzt.

Crespo: "Am Ende bleibt uns nichts"

"Wir haben sehr gut gespielt, aber am Ende bleibt uns nichts", meinte der enttäuschte AC-Milan-Stürmer Crespo. "Das tut im Herzen weh, denn wir haben eine extrem gute Mannschaft gehabt. Unsere Gruppe war unglaublich, vielleicht die beste der Welt." Die Chancen auf den ersten Weltmeistertitel seit 20 Jahren - jenen der Pekerman-Generation - waren nach unglücklichen Wechseln und ebenso unglücklichem Spielverlauf dahin.

Riquelme sei müde gewesen, Keeper Roberto Abbondanzieri klar ersichtlich verletzt. "Das hat mich zum Handeln gezwungen und für Messi fehlte der richtige Moment", verteidigte sich Pekerman. Für das Umschalten auf Defensive bereits kurz nach dem Führungstreffer durch Ayala (49.), fand er aber keine Entschuldigung. Deutschlands Bundestrainer Jürgen Klinsmann interpretierte die Auswechslungen als "Respekt" vor seinem Team.

Pekerman bezahlte die Fehler mit seinem Posten. "Ich sehe keine vernünftige Chance mehr", meinte der Trainer-Philosoph resignierend. "Ich bin überzeugt, alles in meiner Macht stehende für diese Mannschaft getan zu haben. Der Kreis ist geschlossen, ich werde sicher nicht weitermachen." Statt dem erhofften WM-Titel kam für Maradonas Erben das Viertelfinal-Aus in seiner brutalsten Form - dem Elfmeterschießen.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Pekerman sagt Adios.

Share if you care.