Fußballsieg auf Computerbefehl

1. Juli 2006, 10:00
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Die Winzling-Mannschaft der Wiener Mechatroniker testet industrielle Anwendungen - TU Wien-Team holt Titel

Wien/Dortmund - Wie erhofft, haben österreichische Fußballer tatsächlich die WM in Deutschland gewonnen. Allerdings Roboter, und nur in der Kategorie "Winzlinge". Aber immerhin.

Mit einem überlegenen 13:1-Sieg gegen Korea verteidigte die "Narosot"-Mannschaft der TU Wien ihren Titel und den Vorsprung des Instituts für Mechanik und Mechatronik in einer Weise, um die sie die menschlichen Fußballer nur beneiden können. Das Reglement sieht vor, dass Naros (Nano-Roboter) in einen Quader mit den Seitenlängen 4 x 4 x 5 cm passen muss. Fünf gegen fünf Spieler kämpfen darum, einen Pingpong-Ball in das gegnerische Tor zu stoßen.

In jedem Spieler - der die Maße auch ungefähr ausfüllt - stecken Räder, Antrieb, Batterien, Elektronik für Funk und On-board-Rechner. Die letzteren beiden werden zur Steuerung bzw. zur Verarbeitung der Befehle des Hostcomputers benötigt. Der Hostcomputer am Spielrand wiederum nimmt die Signale einer Kamera (80 Bilder pro Sekunde) auf. Mit der entsprechenden Software unterscheidet er eigene und gegnerische Spieler, deren Position, Richtung und Geschwindigkeit.

"Mit dieser Information und der eingestellten Strategie", sagt Institutsleiter Peter Kopacek, "also zum Beispiel Betonverteidigung, offensiv oder Ähnliches, werden Befehle an die Spieler geschickt. Die Naros werden bis zu 15 km/h schnell, da kann man den Ball schon schön bewegen."

Handy-Demontage

Hinter jedem Sieg steckt ein Team. "Wir haben einen Feinwerkkonstrukteur, einen Hardware-Elektroniker, Programmierer und einen, der das alles zusammenbaut, der ist Techniker, Teamarzt und Mädchen für alles." Was die Spielstrategie anbelangt, brauchen Kopacek und seine Kollege Markus Würzl keinen Konsulenten. "Wir sind Austria-Anhänger seit unserer Kindheit, dadurch hamma a bissl a Ahnung."

Fußball ist bei den Wiener Mechatronikern allerdings kein Selbstzweck. Teile der Software dienen bei der halbautomatischen Demontage etwa von Handys. Fernziel sind hochintelligente Winzlinge, die Solarpanel-Felder im Weltraum selbstständig betreuen sollen: "Fußball also als Test für zukünftige industrielle Anwendungen." (mf/DER STANDARD, Printausgabe, 5. Juli 2006)

  • Nano-Roboter beim Angriff: Farbquadrate erleichtern die Navigation
durch Kamera und Hostcomputer.
    foto: der standard

    Nano-Roboter beim Angriff: Farbquadrate erleichtern die Navigation durch Kamera und Hostcomputer.

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