Wissenschaft aus dem Asyl-Abseits

7. Juli 2006, 16:01
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Ein neuer Verein unterstützt Forscher, die als Flüchtlinge nach Österreich kommen

Wien - "Dass Potenzial mitgebracht wird, wird nicht gesehen", stellt Judith Kröll, Initiatorin von "Researchers with-out Borders" fest. Der neu gegründete Verein bemüht sich um die fachliche und soziale Integration qualifizierter Wissenschafter, die als Asylwerber nach Österreich kommen und aufgrund des Arbeitsverbots während des Asylverfahrens an ihrer Forschung gehindert sind.

Eine aktuelle Studie des Zentrums für soziale Innovation (ZSI) zum Ausbildungsniveau von Migranten aus Drittstaaten ergab, dass 44 Prozent der Befragten mehr Qualifikationen haben, als sie in ihre berufliche Tätigkeit einbringen können. Problematisch sei in Bezug auf fehlende soziale Mobilität vor allem, dass Qualifikationen bei der Ankunft in Österreich nicht erfasst würden, erklärt Rossalina Latcheva vom ZSI. "Und wenn eine Dequalifizierung erst einmal passiert ist, kommt es kaum mehr zum sozialen Aufstieg."

Die rechtliche Lage und fehlende Sensibilisierung erschwere sowohl Asylwerbern als auch anerkannten Flüchtlingen, die auf dem Arbeitsmarkt österreichischen Staatsbürgern gleichgestellt sind, eine Rückkehr in ihre Forschungsarbeit. Die Beschäftigung in den traditionellen Niedriglohnsektoren erlaube zudem keine Verwertung der vorhandenen Nostrifikation. Ohne Deutschkenntnisse bekommen betroffene Flüchtlinge auch keine Nostrifikation, die angebotenen Sprachkurse gehen aber "nicht auf das Bildungsniveau qualifizierter Wissenschafter ein", erläutert Latcheva.

Fehlender Austausch

Kröll bemängelt vor allem fehlenden Austausch mit Fachkollegen, "der Zugang zum Update ist wichtig, um in einem bestimmten wissenschaftlichen Bereich weiter forschen zu können." Dabei ginge auch wertvoller Input für die österreichische Forschung verloren. Das Wissen, das Fachleute, die etwa aus Kriegsgebieten flüchten, im Zusammenhang mit "lokalem Kennen eines Kontextes mitbringen, wäre ein Zugewinn."

"Researchers without Borders" versuchen, auf individueller Basis den Wiedereinstieg in die Forschung zu erleichtern, etwa durch Unterstützung von Forschungsprojekten und Publikationen, oder auch durch die Vermittlung zum Dialog mit österreichischen Fachkollegen.

Ein Gründungsfest des Vereins findet am 1. 7. ab 18.00 vor der Karlskirche statt, bei Schlechtwetter in der Künstlerhauspassage. (Isabella Hager/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1./2. 7. 6. 2006)

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