Trost durch Kunst in der Bawag-Foundation

30. Juni 2006, 19:54
posten

Dort beweist man auch aktuell Humor: "Nothing but Pleasure" - Kunst, die man nicht nur auch in der Freizeit gerne konsumiert, sondern Kunst, die Freizeit unmittelbar generiert

Wien - Meist ist Kunst ja unfreiwillig komisch und also die Freude daran eine letztlich doch bittere. Gewährt sie einem doch bloß Einsicht in das Tragische der Existenz ihres Schöpfers, anstatt - wie es sich für bessere Kunst gehört - für das Tragische eine allgemeine, alle betreffende Form zu finden. Das ist, wiewohl unschädlich, auf Dauer gesehen doch lästig.

Erhaben Komisches dagegen ist selten, dann aber recht vergnüglich. Und so hat sich die Bawag-Foundation vor langem schon dazu durchgerungen, Nothing but Pleasure zu zeigen, Kunst, die man nicht nur auch in der Freizeit gerne konsumiert, sondern Kunst, die Freizeit unmittelbar generiert, Kunst, in deren Nähe man sich ertappt fühlt. Ganz klar, dass dabei die Schweizer Peter Fischli und David Weiss nicht fehlen dürfen. Seit der 1987er-Documenta tourt ihr Video Der Lauf der Dinge durch die größeren und kleineren Kunstinstitute dieser Welt, und dennoch kommt jeder Kurator damit auch 2006 ungestraft davon.

Die einsichtigerweise unabgeschlossene Erzählung zu Ursache und Wirkung überführt auf der Stelle jeden Gedanken an Selbstbestimmung, jeden Seitenblick auf einen Ausweg der Lächerlichkeit. Und so ganz nebenbei ist die sachunterrichtsinspirierte Kettenreaktion in Low-Tech die schönste Bastelarbeit der jüngeren Kunstgeschichte.

Und wem das jetzt immer noch nicht reicht, für den stellen Fischli/Weiss stellvertretend die entscheidenden Fragen für die schlaflose Nacht unter dem Motto Findet mich das Glück? Also: "Ist das Leben ein seltsames Höhlensystem? Gibt es zu viel des Guten?" oder "Driftet alles auseinander? Wie wirke ich? Soll ich untertauchen? Wie kann die Welt sich den Luxus leisten, mich zu haben? Ist sie betrunken? War ich jemals richtig wach?" Spätestens im Morgengrauen weiß man dann: Es gibt keine Antworten!

Es gibt nur Scheitern. Und dafür hat sich die Bawag-Foundation eine Kopie von Buster Keatons One Week geliehen. Das ist jener Film, nach dem noch ein jeder potenzielle Häuslbauer sich eine vollmöblierte Neubauwohnung mietet.

Dass Humor natürlich auch seine wienerischen und also schmuddeligen Seiten hat, belegt Franz West mit seiner Ohrfeigenschleuder, und John Bock wiederum zeigt einmal mehr, dass auch das todernst unter strengsten Laborbedingungen durchgeführte wissenschaftliche Experiment aus der Distanz betrachtet unmittelbar der Lächerlichkeit anheim fällt. Fehlt noch - richtig! - der Humor am Arbeitsplatz. Schließlich verbringt der durchschnittliche Mensch ja ein Gutteil seiner Tage in einer derart entfremdenden Situation.

John Pilson scheitert stellvertretend für uns alle qualvolle Minuten lang daran, Akten in die entsprechende Tasche zu packen. Als "Mr. Pickup" ist dem Tölpel natürlich keine Karriere beschieden. Er ist ununterbrochen dabei, die Chance auf Zukunft zu verspielen. Und derartige Unternehmen sind echt untragbar. (DER STANDARD, Printausgabe, 1./2.7.2006)

Von Markus Mittringer

Bawag-Foundation
Bis 26. August
  • Wo man lustig ist, ist stets auch eine Banane: diesmal von Angus Fairhurst.
    foto: bawag foundation

    Wo man lustig ist, ist stets auch eine Banane: diesmal von Angus Fairhurst.

Share if you care.