Wo ein Wasser, da ein Weg

30. August 2006, 09:57
2 Postings

Man liegt schmal und duscht eng, doch an Deck eines Hausbootes ist die Freiheit groß

Ganz so leicht ist es nicht, einem Achtbettenboot zu vermitteln, was man von ihm möchte. Klar, man will dort nächtigen, das schafft ein jeder, auch wenn's schmal ist und die eine oder andere Welle doch manchmal spürbar die Schiffswangen tätschelt. Kochen? Kein Problem: Die Kombüse ist auf alle Anforderungen für ein gastliches Mahl eingestellt.

Steuern? Da haben wir's. Den tonnenschweren und millionenteuren Kahn zu lenken, das verursacht doch ein mulmiges Gefühl. Besonders dann, wenn man vom Schifffahrt-ABC keinerlei Ahnung hat. Macht aber nichts. Denn der an den schönsten Flusslandschaften (West-)Europas angesiedelte Hausboottourismus adressiert Amateure. Menschen, die Steuerbord von Backbord nicht unterscheiden können, sind hier genau richtig.

Das Geheimvokabular der Hochsee-Aficionados sollte man auf einer gemächlichen Fahrt durch die nördliche Lagune von Venedig nicht überbewerten, denn wie für viele Hausbootfahrten benötigt man auch für diese nicht einmal einen Pkw-Führerschein.


Die lichte Höhe

Das zur eigenen Fortbildung an Bord befindliche Kapitänshandbuch flößt einem natürlich Respekt ein. Darin werden Anlegemanöver je nach Winkelgraden und Strömungsverlauf exemplarisch dargestellt sowie dutzende Schallsignale und Schifffahrtszeichen angegeben, etwa das Zeichen für "Die lichte Höhe über dem Wasserspiegel ist begrenzt". Eben.

In der Praxis heißt das: Learning by doing. Es empfiehlt sich aber, gleich am ersten Reisetag in diesem Kajütenbüchlein zu schnuppern. Um beispielsweise darauf gefasst zu sein, in der Hafeneinfahrt von Burano in der Früh bei Ebbe aufzuwachen und den improvisierten Holzsteg, auf dem man am Abend davor noch von der vorzüglichen Trattoria "Da Romano" kommend sein fahrendes Zuhause betreten hat, dann in Stirnhöhe vorzufinden. Der Wasserstand war um einen Meter gesunken, das Boot liegt tiefer und die frischen Cornettos beim Bäcker an Land. Das Kornbrot tut's auch, und der Blick auf die in Pastellfarben getauchte alte Fischerinsel entschädigt sowieso doppelt.

"Manchmal in der Hochsaison fällt die ansonsten einstündige Bootseinführung vor Ort ,recht kurz' aus", meint Volker von der Hausbootfirma Connoisseur. "Da wird der Schlüsselbund überreicht, und fertig!" Selbst ist der Möchtegern-Kapitän! Wir sind Tegetthoff!

Gebremst wird ein wenig zeitverzögert. Doch nach ein, zwei Stunden mit dem 40-PS-Motor ist man selbst auch schon so langsam wie das Boot, das sich durch das glatte Wasser des Flusses Sile von Treviso in Richtung Venedig schneidet. Kein Laut (bis auf den Bootsmotor) trübt in den ersten Stunden die vorbeiziehende Landschaft: Augebiete, hie und da eine Villa Giulia und gepflegte Gärten der reichen Venezianer.

Wenn die italienischen Umweltauflagen entsprechend wären, würde man sogar einen Sprung ins Wasser wagen. Doch da selbst die eigenen Bootsabwässer direkt entsorgt werden dürfen, nimmt man davon gerne Abstand. Die Lagune von Venedig hat bekanntlich andere Vorzüge: Einem Besuch der Glasbläserinsel Murano folgt eine Wassertaxifahrt nach Venedig selbst. Gespeist wird in der Antica Sacrestia schräg rechts hinterm Markusplatz in der Calle della Sacrestia 4442, einer formidablen, großzügigen und freilich heiß begehrten Dogenküche. Aber auch ein Nachtmahl an Bord vor der Insel Certosa hat im Angesicht der nächtlichen Lichterkulisse seinen Reiz.


Viersekundenschall

Küchendienst hat, wer tagsüber an Deck gefaulenzt hat: Hinein mit der Lasagne ins Rohr und heraus mit dem Wein aus dem Kühlschrank! Vor Giudecca zieht derweilen ein gigantischer Kreuzer vorbei und macht sich mit Tuten bemerkbar. Das Viersekundenschallzeichen bedeutet schlicht "Achtung". Das weiß mittlerweile jeder an Bord. Und mit mitwisserischen Mienen begibt man sich zu Tisch unterm freien Sternenhimmel und lauscht dem Meer.

Nur hie und da versetzen juvenile Motorboot-Nachtschwärmer in der Ferne der Stille patschende Wellen. (Margarete Affenzeller, Der Standard, Printausgabe 1./2.7.2006)

Connoisseur und Emerald Star Hausbootferien, c/o Crown Blue Line GmbH,
D-61118 Bad Vilbel, 0049/ (0) 61 01/55 791 33.
info@connoisseur.de.
Venedig-Herbstspecial mit zehn Prozent Ermäßigung Connoisseur
  • Möchtegern-Kapitäne vor! Mit dem Hausboot durch die Lagune von Venedig: ein Vergnügen auch für jene, die von der Schifffahrt nicht viel verstehen.
    foto: connoisseur

    Möchtegern-Kapitäne vor! Mit dem Hausboot durch die Lagune von Venedig: ein Vergnügen auch für jene, die von der Schifffahrt nicht viel verstehen.

Share if you care.