Plassnik appelliert an Belgrad

3. Juli 2006, 18:59
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Aktionsplan zur Festnahme von Mladic

Den letzten Tag der österreichischen EU-Präsidentschaft verbrachte Außenministerin Ursula Plassnik in Belgrad. Die Union wolle damit zeigen, wie ernst man die europäische Perspektive Serbiens nehme, kommentierten serbische Medien. Und dies, obwohl die Verhandlungen über das Assoziierungsabkommen mit der EU ausgesetzt worden seien, solange sich der wegen Kriegsverbrechen gesuchte, in Serbien vermutete bosnisch-serbische General Ratko Mladic auf freiem Fuß befindet.

Serbien müsse seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Haager UN-Tribunal zeigen, unterstrich Plassnik am Freitag im Gespräch mit Premier Vojislav Koatunica und Präsident Boris Tadic. Ein Aktionsplan für die Festnahme von Mladic, der die Zusammenarbeit Serbiens mit ausländischen Geheimdiensten vorsieht, solle nach dem kroatischen Vorbild und auch mit der Hilfe Österreichs ausgearbeitet werden. Die serbischen Behörden beteuerten, "alles in unserer Macht Stehende" zu tun, um die "technischen" Probleme mit dem Tribunal aus der Welt zu schaffen und die Tür zu Europa zu öffnen.

Dagegen schließt man in Belgrad eine Unabhängigkeit des Kosovo unisono kategorisch aus. Eine aufgedrängte Lösung werde Serbien niemals anerkennen, waren sich die innenpolitisch verfeindeten Politiker Tadic und Koatunica gegenüber Plassnik einig. Die Verhandlungen über den Status der südserbischen Provinz sollten am 20. Juli in Wien auf höchster Ebene fortgesetzt werden. (Andrej Ivanji aus Belgrad /DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2006)

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