Israel gibt Mubarak Zeit zur Vermittlung

2. Juli 2006, 12:04
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Ägyptens Präsident bemüht sich um Handel mit Entführern des israelischen Soldaten

Israels Premier wartete deshalb noch mit dem Signal zur Bodenoffensive im Gazastreifen.

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Der geplante Vorstoß von Bodentruppen in den Raum von Bet Hanoun im Norden des Gazastreifens wurde von Israel aufgeschoben, weil Premier Ehud Olmert laut israelischen Medienberichten einem neuerlichen ägyptischen Vermittlungsanlauf noch eine Chance geben wollte.

Zugleich gingen aber die Versuche weiter, die palästinensische Bevölkerung und insbesondere die regierende Hamas durch Militärschläge zu zermürben. In der Nacht auf Freitag griff die israelische Luftwaffe mehr als zwanzig Ziele im Gazastreifen an, darunter Büros, Straßen, Trainingslager und Waffenmagazine. Zwei Stockwerke der Kanzlei des Hamas-Innenministers Said Sayam in Gaza-Stadt wurden schwer beschädigt, verletzt wurde dabei aber niemand. Das Gebäude wurde von den Israelis als "Treffpunkt für die Planung von Terroraktivitäten"bezeichnet.

Granatenfeuer

In der Früh nahmen dann israelische Panzer das Granatenfeuer auf offenes Gelände im Norden wieder auf, von wo Palästinenser regelmäßig Raketen auf israelische Grenzorte abschießen. Der bisher einzige Tote seit dem Beginn der israelischen Offensive war ein junger Kommandant des "Islamischen Djihad", der versucht haben soll, die Truppen bei Rafah mit einer Panzerabwehrrakete anzugreifen.

Der auch von den Israelis respektierte ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman, von Präsident Hosni Mubarak häufig für heikle Vermittlungsmissionen eingesetzt, wurde am Freitag in Gaza erwartet. Zuvor sollte er in Damaskus mit Khaled Mechaal zusammentreffen, dem radikalen Chef des Hamas-Politbüros, den Israel beschuldigt, alle Versuche zur Beilegung der Krise um den verschleppten Soldaten zu torpedieren.

Mubarak hatte in einem Interview für die ägyptische Zeitung Al-Ahramgesagt, die Hamas habe Bedingungen für die Freilassung des Soldaten gestellt, denen Israel aber nicht zustimme. Während Mubarak keine Details verriet, hieß es von palästinensischer Seite, die Hamas verlange, dass Israel seine Truppen abziehen und die palästinensischen Gefangenen, deren Haftzeit innerhalb des kommenden Jahres abläuft, sofort freilassen solle. In Jerusalem hieß es hingegen, Israel wisse nichts von einem Angebot und führe keine Verhandlungen mit den Entführern.

Kein Aufenthaltsrecht

Das israelische Innenministerium entzog vier Hamas-Politikern, die im Stadtgebiet von Jerusalem wohnen, das Aufenthaltsrecht. Die Entscheidung sah wie ein weiterer Zug in der Kampagne gegen die Islamisten aus, das Verfahren dazu war allerdings schon vor einem Monat eingeleitet worden. Israel hatte von Khaled Abu Arafa, der als Jerusalem-Minister der Hamas-Regierung fungiert, und von drei Abgeordneten verlangt, alle Ämter in der Bewegung aufzugeben, wenn sie ihre israelischen Ausweise behalten wollten. Die vier Männer sind unter den 64 Hamas-Funktionären, die von den Israelis am Donnerstag festgenommen worden waren. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2006)

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