Uni Graz: "Centrum für Jüdische Studien" wird institutionalisiert

20. Oktober 2006, 10:21
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Österreichweit einzigartiges Joint Degree-Masterprogramm ab Wintersemester 2007 in Kooperation mit Heidelberg

Graz - Das seit dem Jahr 2000 bestehende und auf Vereinsbasis organisierte "Centrum für jüdische Studien" (CJS) an der Universität Graz wird nun als fakultätsübergreifender Leistungsbereich institutionalisiert. In diesem Rahmen wird ab dem Wintersemester 2007 das österreichweit einzigartige Joint Degree Masterprogramm "Jüdische Studien - Geschichte jüdischer Kulturen" starten. Die Ausbildung wurde gemeinsam mit der Hochschule für Jüdische Studien im deutschen Heidelberg entwickelt.

Bisher verstand sich das CJS ausschließlich als kulturwissenschaftlich ausgerichtete Forschungseinrichtung im Bereich der Jüdischen Studien. "Mit dieser Gründung werden die langjährigen Bemühungen und Tätigkeiten an der Universität institutionell verankert", so Roberta Maierhofer, Vizerektorin für Internationale Beziehungen, bei einem Pressegespräch am Freitag.

Die Einrichtung bündelt alle Aktivitäten in den entsprechenden wissenschaftlichen Forschungs- und Lehrbereichen, darunter das viersemestrige, im Wintersemester 2007 startende Masterstudium "Jüdische Studien - Geschichte jüdischer Kulturen". Die Ausbildung wurde in Kooperation mit der entsprechenden Hochschule in Heidelberg erstellt. "Demnach ist das erste Semester als Grundmodul auch verpflichtend in Heidelberg zu absolvieren", erklärte Petra Ernst vom CJS. Den Studenten stehe es auch frei, ein weiteres Semester im Ausland zu verbringen.

Den Studierenden soll durch die Zusammenarbeit der beiden Hochschulen ein großes interdisziplinäres Lehrangebot zur Verfügung stehen. Zugangsberechtigt seien Absolventen eines einschlägigen, geisteskulturwissenschaftlichen oder theologischen Studiums, so Ernst. Die Ausbildung schließt mit dem "Master of Arts" ab und wird von den Partnerunis als vollwertiger akademischer Abschluss anerkannt. Später sei angedacht, auch weitere Partner mit ein zu beziehen, so Ernst.

Großes Augenmerk wird beim CJS auch auf die Forschung gelegt - Aspekte der Kultur und Geschichte des zentraleuropäischen Judentums seit dem 19. Jahrhundert seien vorrangige Arbeitsfelder, besonders die österreichische, bzw. steirische Regionalgeschichte werde berücksichtigt, so CJS-Leiter Gerald Lamprecht.

Als einer der "Eckpfeiler" der österreichisch-jüdischen Beziehungen gilt der 1988 an der Uni Graz gegründete "David-Herzog-Fonds". Vor Kurzem konnte dieser auf alle steirischen Universitäten ausgeweitet werden. Ziel der David-Herzog-Fonds Stipendien ist es, das interkulturelle Verstehen und Lernen - speziell in Bezug auf die jüdische Kultur - zu fördern und zu unterstützen. Die Initiative - benannt nach dem letzten Landesrabbiner der Steiermark, der von den Nazis vertrieben wurde - steht nun mehr als 50.000 Studierenden offen. (APA)

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