Nehmen und Geben

30. Juni 2006, 17:39
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Die reichsten Männer der Welt, Warren Buffett und Bill Gates, haben in dieser Woche den größten philanthropischen "Konzern" gebaut

Der 75-jährige Investor Buffett, in Finanzkreisen "das Orakel von Omaha" genannt, gibt der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung 30 Milliarden Dollar. Damit verdoppelt sich das Stiftungsvolumen. Dieses fließt hauptsächlich in Malaria- und Aids-Bekämpfung.

Für Buffett ist sein Geben eine so klare Haltung, dass er sich nicht einmal bemüßigt sah, groß zu erklären, warum er seine Milliarden den Bedürftigen gibt.

Und was geben die Reichen in Österreich? In einem Land, das laut jüngster Erhebung von Merrill Lynch immer mehr Reiche, nämlich 67.700 Dollarmillionäre (in Cash), zählt? Was wird aus den Geldparkplätzen – den Privatstiftungen – in Österreich gegeben, in denen geschätzte 40 Milliarden Euro liegen? Karitative Organisationen bestätigen, dass immer mehr Unternehmen sich auch der Verantwortung für die Rahmenbedingungen bewusst werden, in denen sie arbeiten.

Ab und an machen Donations auch Schlagzeilen. Aber natürlich wehren sich die Stifter gegen eine verpflichtende Sozialklausel für das Geben in ihren Konstruktionen. Ein solcher Zwang würde wahrscheinlich auch keine Buffetts gebären, doch: Wer deutlich mehr hat, als er und die Seinen für ein sehr gutes Leben ausgeben können, dem erwächst eine Verantwortung über das Private hinaus.

Das hat zwar überwiegend mit Haltung zu tun. Rahmenbedingungen gehören aber auch dazu. Und dort bestehen im Hochsteuerland Österreich Hindernisse: Meist haben die Stifter von ihren wohltätigen Widmungen noch 25 Prozent Steuer zu zahlen. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe 31.6./1.7.2006)

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