USA: Fed-Kommentare sorgen für Rallye

4. Juli 2006, 11:15
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Ein Kommentar von Alexander Sikora-Sikl aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die US Aktienmärkte tendierten in der abgelaufenen Woche zunächst seitwärts, ehe sie gegen Wochenschluss zu einer Rallye ansetzten. Auslöser für den kräftigsten Tagesgewinn seit 2003 waren Kommentare der Fed im Zuge der jüngsten Zinserhöhung um 25Bp, wonach eine Abkühlung der wirtschaftlichen Dynamik zu erwarten sei. Dies wurde von Anlegerseite als mögliches Ende des Zinserhöhungszyklus gewertet. Darüber hinaus legten die Verkäufe von neuen Eigenheimen deutlich zu, für viele Investoren ein Indiz, dass die Kaufkraft der privaten Haushalte weiterhin hoch ist. Weitere Unterstützung erhielt der Markt vom verbesserten Konsumentenvertrauen und den guten BIPDaten für das erste Quartal. Für zwischenzeitliche Belastung sorgte der Ölpreis. Dieser kletterte aufgrund einer Abnahme der US Lagerbestände auf über USD 73.

Zu den Gewinnern zählte diese Woche unter anderem United Parcel Service. Der Expressdienst hatte gemeldet, künftig mehr Transportleistungen für die US Post zu übernehmen. Die Aktie der Bank Wells Fargo profitierte von einer kräftigen Erhöhung der Dividende sowie von der Ankündigung eines umfangreichen Aktienrückkaufprogrammes.

Zur Schwäche neigte die Medizintechnikbranche. So warnte Boston Scientific mehr als 27.000 Patienten vor möglichen Fehlern ihrer Herzschrittmacher. Zimmer Holdings, Stryker und Biomet, allesamt Hersteller von orthopädischen Implantaten, gerieten unter Druck, nachdem Ermittlungen wegen Verstößen gegen das Kartellrecht eingeleitet worden waren. Zu den Verlierern zählte diese Woche Ebay. Die Aktie des Internetauktionshauses litt unter der Ankündigung Googles, einen eigenen Online- Zahlungsdienst anbieten zu wollen. Unter Abgabedruck stand des weiteren General Motors, der Vorstand des angeschlagenen Automobilkonzerns hatte die Umsatzentwicklung im vergangenen Monat als wörtlich „brutal“ bezeichnet. Allem Anschein nach dürfte es GM weiterhin nicht gelingen, die kontinuierlichen Marktanteilsverluste einzudämmen. Für Enttäuschung sorgte Nike, der Sportbekleidungskonzern musste den ersten Gewinnrückgang auf Quartalsbasis seit drei Jahren bekannt geben. Als Grund wurden Marktanteilsverluste in Europa genannt.

Einmal mehr drehte sich das Übernahmekarussell. So kündigte der Kupferproduzent Phelps Dodge den Kauf zweier kanadischer Konkurrenten um USD 37 Mrd. an. Johnson&Johnson wiederum wird die Konsumgütersparte Pfizers um USD 16,6 Mrd. übernehmen. Außerdem erhöhte EMI sein Übernahmeofferte für Warner Music auf USD 4,6 Mrd. Somit kletterte das Gesamtvolumen der seit Jahresbeginn beschlossenen Fusionen und Akquisitionen auf USD 804 Mrd.

In der kommenden Woche dürfte die Nachrichtendichte gering ausfallen, von Interesse für den Markt wird vor allem der ISM Index sein. Von Unternehmensseite stehen keine wichtigen Ergebnisveröffentlichungen an, die Berichtssaison zum zweiten Quartal beginnt in der zweiten Juliwoche. Das fundamentale Umfeld des Marktes stellt sich jedoch grundsätzlich positiv dar und die jüngsten volkswirtschaftlichen Meldungen waren für die Anleger tendenziell ermutigend, sodass sich das Stimmungsbild unter den Anlegern zuletzt wieder etwas gebessert hat. Aus diesem Grund rechnen wir auf Wochensicht mit leicht festeren Kursen.

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