ÖW-Chef Oberascher geht unter die Hoteliers

27. Juli 2006, 14:21
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Chef der Österreich Werbung wird Vorstandschef und Mitgesellschafter der Arcotel-Gruppe - Position wird neu ausgeschrieben

Wien - Die Österreich Werbung (ÖW) muss sich um einen neuen Chef umsehen. Arthur Oberascher (57), der seit sechs Jahren an der Spitze von Österreichs wichtigstem Tourismus-Marketingverein steht, steigt bei der Hotelgruppe Arcotel ein und übernimmt mit 1. November den Vorstandsvorsitz. "Ich bin froh, dass ich das Lebenswerk meines Freundes Raimund Wimmer fortführen kann", sagte Oberascher dem STANDARD.

Wimmer, ein gebürtiger Steirer wie Oberascher, hat Arcotel gegründet und bis zu seinem Tod heuer im Frühjahr geführt. Zur Gruppe gehören neben Hotels in Wien (Wimberger), Linz und Klagenfurt auch Häuser in Prag, Berlin und Zagreb. Der Gruppenumsatz 2005 wird vom Unternehmen mit 30 Mio. Euro angegeben, heuer ist ein Plus von rund sechs Prozent budgetiert.

Expansionskurs fortsetzen

Oberascher will den von Wimmer eingeschlagenen Expansionskurs fortsetzen. Dessen Vision sei es gewesen, ein Netz von Vier-Sterne-Hotels über alle Städte Europas zu ziehen. Zuletzt war Wimmer an Standorten in Kiew (Ukraine), Bukarest (Rumänien), Serbien und Montenegro interessiert.

"Die Österreich Werbung ist perfekt aufgestellt und für die künftigen Herausforderungen gut gerüstet", sagte Oberascher. Erst im Juni vergangenen Jahres haben die Eigentümer der ÖW, Bund (75 Prozent) und Wirtschaftskammer (25 Prozent) Oberaschers Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert. Die Position des ÖW-Generaldirektors wird nun neu ausgeschrieben.

Lob gab es für Oberascher am Freitag von Wirtschafts- und Tourismusminister Martin Bartenstein, der zugleich Präsident der ÖW ist. Oberascher habe die Österreich Werbung organisatorisch an den Anforderungen eines immer härter umkämpften touristischen Marktes ausgerichtet und die Marke "Urlaub in Österreich"entscheidend weiterentwickelt. Er bedaure, dass Oberascher vorzeitig ausscheide.

"Viel weitergebracht"

Der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer, Hans Schenner, sagte: "In den sechs Jahren der Geschäftsführung Oberaschers in der Österreich Werbung wurde viel weitergebracht." Unter anderem wurde die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammerorganisation kontinuierlich ausgebaut.

Einmal mehr verlangte Schenner eine Aufstockung des ÖW-Budgets, das rund 50 Mio. Euro beträgt.

Sonniger Sommer

Österreichs Touristiker sind zu Ferienbeginn durchwegs optimistisch gestimmt - trotz eines verregneten Saisonstarts im Mai, wo die Nächtigungen aufgrund schlechten Wetters und der Verschiebung der Feiertage um Pfingsten und Fronleichnam um elf Prozent zurückgingen.

"Der Mai ist im Verhältnis unbedeutend, der Sommer ist noch lang", sagte der Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Egon Smeral. Dank der günstigeren Konjunkturlage, des stark beworbenen Mozart-Jahres und den "Nachwirkungen" der EU-Präsidentschaft sei in der heurigen Sommersaison neuerlich ein Umsatzplus von fünf Prozent zu erwarten. Die Zahl der Nächtigungen werde hingegen nur mehr leicht ansteigen.

Im vorigen Sommer sind die Tourismusumsätze nach Wifo-Angaben um 5,3 Prozent auf 9,76 Mrd. Euro gestiegen. Die Zahl der Nächtigungen ging um 0,4 Prozent auf 59,6 Millionen Nächtigungen zurück. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1./2.7.2006)

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    Arthur Oberascher war seit 2001 ÖW-Geschäftsführer.

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