England kündigt Power-Fußball an

1. Juli 2006, 19:59
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Portugal seit 40 Jahren gegen England ohne WM- oder EM-Niederlage - England will erstmals seit 1990 wieder ins Halbfinale

Gelsenkirchen/Wien - England beschwört den "Geist von Wembley", Portugal die Magie von Cristiano Ronaldo und hofft auf den letzten Veteranen der "goldenen Generation". Mit der Erinnerung an eine ruhmreiche Vergangenheit wollen beiden Kontrahenten endlich wieder in ein Halbfinale einer Fußball-WM einziehen. "Ich spüre eine ähnliche Mentalität und Moral wie in dem Team, das 1966 den Titel holte. Wir werden gewinnen", sagte Englands Trainer Sven-Göran Eriksson vor dem Viertelfinale (Freitag, 17 Uhr) in Gelsenkirchen. Rivale Luiz Felipe Scolari setzt Stürmerstar Cristiano Ronaldo, Luis Figo und eine glanzvolle Bilanz dagegen: Portugal hat seit 18 Spielen nicht mehr verloren.

Seit dem bisher einzigen WM-Triumph der Engländer 1966 hat sich Portugal zu einem Angstgegner entwickelt. Seit 40 Jahren haben die Portugiesen die "Three Lions" in großen Turnieren stets gezähmt. 1986 gab es bei der WM einen 1:0-Sieg, bei der EM 2000 war es ein 3:2-Erfolg und vor zwei Jahren bei der EM in Portugal setzte man sich im Viertelfinale 6:5 nach Elfmeterschießen durch. Außerdem hat Scolari die bisherigen zwei Duelle der Star-Trainer mit Sven-Göran Eriksson gewonnen und mit Brasilien 2002 (WM) und mit Portugal 2004 (EM) die Engländer aus dem Bewerb geworfen.

"Für uns gilt jetzt, dass wir nicht über das nachdenken, was in der Vergangenheit war, sondern dass wir nach vorne blicken und daran glauben, dass wir dieses Team schlagen", sagte David Beckham. Er hat Respekt vor dem Angstgegner, "aber ich fürchte, dass Portugal verliert", meint der Kapitän und will mit "typisch englischem" Power-Fußball zum ersten Mal seit 1990 eine englische Mannschaft wieder ins WM-Halbfinale führen. "Schnell, kraftvoll und aggressiv" werde das Team auftreten, kündigte Beckham an: "Die ganze Nation steht hinter uns." Tausende folgten dem "Come on England"-Aufruf des englischen Verbandes (FA) und sprachen Beckham und Co. vor der Abfahrt am Freitag ins Ruhrgebiet via Internet Mut zu.

"Ich glaube, dieses Team kann jeden schlagen", gibt sich auch Verteidiger Gary Neville zuversichtlich. Die Engländer hoffen auf das erste WM-Tor von Stürmerstar und Hoffnungsträger Wayne Rooney, ein kompaktes Fünf-Mann-Mittelfeld und glauben offenbar ein Rezept gegen den trickreichen Ballkünstler Cristiano Ronaldo gefunden zu haben. "Nach einigen harten Tacklings wird nichts mehr von ihm zu sehen sein", tönte Innenverteidiger Rio Ferdinand.

Portugal hat nach dem Skandalspiel gegen die Niederlande mit vier Ausschlüssen zum zweiten Mal in der Geschichte das WM-Viertelfinale erreicht, doch die Partie ist nicht spurlos an der Mannschaft vorbeigegangen. Zum einen fehlen aus der Stammelf die gesperrten Deco und Costinha, zum anderen ist Jungstar Ronaldo nach dem brutalen Foul in der Anfangsphase noch immer angeschlagen. Ob er spielen kann, steht noch nicht fest.

Sportlich geht das Team unbeirrt seinen Weg. "Wir wollen diesmal nicht leiden, sondern leiden lassen", sagte Mannschaftskapitän Figo. Er erwartet "ein schweres und kompliziertes Spiel. Nur weil wir bei der EM vor zwei Jahren gewonnen haben, ist das keine Garantie, dass wir auch diesmal weiterkommen. Wir sind jetzt in der Phase, in der jedes Spiel das letzte sein kann."

Voll überzeugt haben beide Teams bisher noch nicht, wobei vor allem die Engländer mit dem hoch gelobten Mittelfeld mit Beckham, Gerrard und Lampard enttäuscht haben. "Wir wissen, wie sie spielen können, wir kennen ihre Spiele. Diese Art von Spielen wird durch kleine Dinge entschieden. Das Wichtigste ist, dass wir uns konzentrieren und keine Fehler machen", meinte Figo. Der gilt als bester portugiesischer Spieler seit Eusebio, der sein Land 1966 ins Halbfinale geführt hat. Da wollen auch dessen Nachfolger hin. "Ich will das Team so weit bringen, wie es Eusebio getan hat", sagte Scolari. (APA/dpa/AP)

  • ENGLAND - PORTUGAL (Gelsenkirchener Stadion, 17 Uhr, Schiedsrichter Horacio Elizondo/Argentinien):

    England: 1 Robinson - 2 G. Neville, 5 Ferdinand, 6 Terry, 3 A. Cole - 7 Beckham, 8 Lampard, 16 Hargreaves, 4 Gerrard, 11 J. Cole - 9 Rooney Es fehlt: Owen (verletzt)

    Portugal: 1 Ricardo - 13 Miguel, 5 Meira, 16 Carvalho, 14 Valente - 8 Petit, 18 Maniche, 11 Simao, 7 Figo, 17 C. Ronaldo - 9 Pauleta Fraglich: C. Ronaldo (Oberschenkelverletzung) Es fehlen: Deco, Costinha (beide gesperrt)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Eriksson lässt seine Kicker schuften.

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