Handel für Apotheken-Konkurrenz

27. Juli 2006, 14:21
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Nach der EU-Klage macht auch der heimische Handel mobil und fordert: Apotheken soll betreiben dürfen, wer glaubt, damit ein Geschäft machen zu können

Brüssel - Der Druck zur Öffnung des Apotheken-Marktes steigt. Die Drogeriekette dm etwa fordert "Wahlfreiheit für die Konsumenten" und sieht sich als "ideale Ergänzung" zu den bestehenden Apotheken. dm-Geschäftsführer Manfred Laaber meinte in einer Aussendung, dass durch eine Marktöffnung die Preise sinken und das Angebot steigen würde. Ziel von dm sei es, alle 2.300 in Österreich zugelassenen rezeptfreien Arzneimittel verkaufen zu dürfen.

Von Seiten der Lugner City hieß es am Freitag, dass durch den Gebietsschutz die Apotheken exorbitant hohe Umsätze machen würden. Demnach würden Apotheken pro Quadratmeter 39.900 Euro umsetzen - etwa das siebenfache anderer Handelsbetriebe. Wobei die durch den EU-Vorstoß zur Marktöffnung ausgebrochene Diskussion für das Einkaufszentrum nicht neu ist. "Seit 14 Jahren bemühe ich mich um eine Genehmigung für eine öffentliche Apotheke", so Richard Lugner via Presseaussendung.

Kettenbildung

Bei den Apothekern scheint man sich inzwischen schon auf eine Liberalisierung vorzubereiten. So sagte Andreas Windischbauer, Chef des größten Pharmahändlers Herba Chemosan, der auch an Apotheken beteiligt ist, zum "Wirtschaftsblatt": "Wenn Kettenbildung erlaubt ist, dann müssen wird das auch tun. Auch wenn wir es nicht wollen." Die Rat&Tat-Apothekengruppe, ein loser Zusammenschluss von 51 Einzelapotheken, meinte zu der Zeitung: "Wir werden nicht dasitzen und Däumchen drehen."

In der Wirtschaftskammer geht man davon aus, dass die Marktliberalisierung kommen wird, da sich eine Gebietsabschottung EU-rechtlich nicht halten lasse. Abgelehnt wird vom Bundesgremium des Handels mit Arzneimitteln und Drogeriewaren aber die Abgabe von Arzneien im Selbstbedienungs-Lebensmittelhandel, wie das etwa in den USA der Fall sei. Hingegen sei der Verkauf in Drogerien mit geschulten Drogisten vorstellbar, so die Kammer.

In Österreich gibt es 1.190 Apotheken, die gemeinsam im Vorjahr 2,5 Milliarden Euro umsetzten. Die staatlich garantierten Spannen auf rezeptpflichtige Arzneien bewegen sich zwischen 6,5 und 13,4 Prozent. (APA)

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    foto: standard/andy urban
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