Spekulationen über Abschuss des Bären

21. Juli 2006, 16:13
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Virtueller Grabstein - Gerüchte, dass Polizist unter Jägern war

München - Fünf Tage nach dem Abschuss von Braunbär "Bruno" wird weiter über den genauen Hergang spekuliert. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass unter den drei Jägern mindestens ein Polizeibeamter war. Mehrere Zeitungen vermuteten zudem am Freitag, der Bär sei möglicherweise von drei Kugeln getroffen worden und nicht von zwei. Das bayerische Umweltministerium verwies dazu auf den Obduktionsbericht. Demnach wies das Fell des Bären zwei Einschüsse auf.

Dem "Medienbären" wurde unterdessen im Internet ein virtueller Grabstein errichtet, Hunderte trugen sich in Online-Foren und Kondolenzbüchern ein. Der Verein "David gegen Goliath" verlangte ein Mahnmal für "Bruno" vor dem bayerischen Umweltministerium. Der Abschuss hatte teils heftige Kritik ausgelöst.

Unter Umständen seien sogar alle drei Jäger Polizisten gewesen, schreibt der "Münchner Merkur" unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise. Bereits unmittelbar nach dem Abschuss waren Spekulationen laut geworden, unter den "Bärentötern" hätten sich Polizeibeamte befunden, die auch jagdberechtigt sind.

Keine Angaben

Das Umweltministerium, das den zweijährigen Bären aus dem italienischen Trentino zum Abschuss freigegeben hatte, machte keine Angaben zur Identität der Jäger. Grund sind unter anderem Beschimpfungen und Drohungen, die beim Ministerium wie auch auch beim Landesjagdverband Bayern eingingen. Der Jagdverband hatte stets unterstrichen, dass er mit dem Abschuss nichts zu tun hatte, da Bären unter Schutz stehen und nicht gejagt werden dürfen. Bei dem Abschuss habe es sich um eine sicherheitspolitische Maßnahme gehandelt.

Morddrohung

Die Polizei ermittelt unterdessen in einem Fall wegen einer telefonischen Morddrohung gegen einen Amtsträger, wie der Leiter der Staatsanwaltschaft München II, Rüdiger Hödl, am Freitag sagte. "Es wird ermittelt - wir nehmen das ernst." Zudem lägen diverse Schreiben mit beleidigendem Inhalt vor. Da es sich hier um ein Antragsdelikt handelt, wird die Staatsanwaltschaft in diesem Fällen aber nur auf Betreiben der Geschädigten tätig.

Zugleich gehen bei der Anklagebehörde immer mehr Strafanzeigen ein, die sich unter anderem gegen Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU), Ministeriumsmitarbeiter sowie die Schützen richten. Am Donnerstagabend habe die Zahl der Anzeigen bei 48 gelegen, "und es sind wieder viele eingegangen", sagte Hödl. Eine Entscheidung über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens werde die Anklagebehörde aber "frühestens Ende nächster Woche" treffen.

Streifschuss

Die Münchner "Abendzeitung" schreibt unter Berufung auf einen Jäger, der Bär sei neben einem Lungen- und einem Leberschuss von einem Streifschuss getroffen worden. Bruno sei möglicherweise nicht sofort tot gewesen. Die Schüsse hätten den Bären aus unterschiedlichen Richtungen getroffen. "Bruno" sei nicht sofort tot gewesen und habe sich möglicherweise nach dem ersten Schuss noch gedreht, zitiert die "Bild"-Zeitung dazu einen Wildbiologen.

Der Bär, dessen Kadaver derzeit tiefgefroren aufbewahrt wird, soll ausgestopft in ein Museum kommen. Sein Skelett und die präparierten Organe werden wissenschaftlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt. "Bruno" war am vergangenen Montag im Morgengrauen erlegt worden, nachdem wochenlange Fangversuche gescheitert waren. (APA/dpa)

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