Harte Landung für den Dollar

27. Juli 2006, 13:52
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Trotz Anhebung der US-Zinsen erwarten Experten Dollar-Schwäche - Skepsis an Finanzierbarkeit der US-Zwillingsdefizite steigt

Frankfurt - Trotz der 17. US-Zinserhöhung in Folge wird der Dollar nach Einschätzung von Analysten in den nächsten sechs Monaten an Wert verlieren. Der Euro werde dagegen von den steigenden Zinsen im Euro-Raum und den wieder in den Vordergrund rückenden US-Strukturproblemen profitieren. Eine mögliche Eskalation des Konflikts mit dem Iran und Reserve-Umschichtungen von Zentralbanken in Euro stützten die Gemeinschaftswährung zusätzlich. Die meisten Analysten rechnen somit für das zweite Halbjahr mit einem Anstieg des Euro um etwa drei US-Cent auf gut 1,30 Dollar.

"Mit jeder Zinserhöhung durch die Fed nimmt die Wahrscheinlichkeit für eine harte Landung der US-Wirtschaft zu", erklärt Michael Klawitter, Währungsstratege bei Dresdner Kleinwort. Sollte die US-Notenbank (Fed) die Zinsen zu stark anheben, könnte sie nach Ansicht von Analysten die Konjunktur abwürgen. Zur Stimulierung der US-Wirtschaft könnte dies dann wieder sinkende Zinsen nach sich ziehen.

Dollar bricht ein

Die Fed räumte in ihrem Kommentar am Donnerstagabend zur Erhöhung der Zinsen um 25 Basispunkte auf 5,25 Prozent ein, dass die Abschwächung des Wirtschaftswachstums das Inflationsrisiko dämpfen sollte. Zwar ließen sich die Notenbanker die Tür für weitere Zinserhöhungen offen. Doch an den Märkten wird nun eine sinkende Wahrscheinlichkeit für weitere Zinserhöhungen gehandelt. Entsprechend brach der Dollar auf breiter Front ein. "Die Fed möchte schon eine Pause machen, und das ist negativ für den Dollar", fasst Stefan Schilbe, Chef-Volkswirt bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, zusammen.

Seit Juni 2004 hatte die Fed die Zinsen von seinerzeit 1,0 Prozent in die Höhe geschleust. Erst nachdem sie mit ihrem Leitzins den europäischen Zins von damals 2,0 Prozent übertraf, drehte sich die Marktstimmung zu Gunsten der US-Währung. Zuvor - im Dezember 2004 - stellte der Euro mit mehr als 1,36 Dollar noch ein Rekordhoch auf. Auslöser der Dollarverkäufe seinerzeit war die wachsende Skepsis über die Finanzierbarkeit der hohen Defizite der USA in der Leistungsbilanz und dem Haushalt. "Im zweiten Halbjahr wird der Dollar auch auf Grund der strukturellen Probleme wieder unter Druck geraten", sagt nun Commerzbank-Devisenstratege Carsten Fritsch voraus.

Globale Ungleichgewichte

Die Stimmung an den Märkten hatte sich schon im Frühjahr zu Gunsten des Euro gedreht, als die Notenbankchefs und Finanzminister der sieben führenden Industrieländern die "globalen Ungleichgewichte" betonten. "Damit meinen sie die Defizite der USA in der Leistungsbilanz", erklärte ein Analyst. "Im Herbst wird die G7 noch einmal ihre Besorgnis ausdrücken, und das wird den Dollar belasten."

Viele Analysten rechnen ohnehin damit, dass angesichts der US-Zwischenwahl im November das Thema "globale Ungleichgewichte" verstärkt zur Sprache kommen wird. "Im Vorfeld der Wahl könnten zudem protektionische Töne den Dollar belasten", sagt denn auch HVB-Analyst Michael Rottmann voraus. Die USA werfen seit langem insbesondere China vor, über einen niedrigen Wechselkurs ihre Exporterfolge in den USA zu finanzieren, mit negativen Folgen für die US-Arbeitsplätzen. Neben dem gesamten Repräsentantenhaus steht ein Drittel des Senats im November zur Wahl an.

Risiken

Ein weiterer Belastungsfaktor für den Dollar ist die Lage im Atomstreit des Westens mit dem Iran. "Käme es zu einem bewaffneten Konflikt mit dem Iran, würde das massiv höhere Ölpreise nach sich ziehen", prognostiziert Klawitter. Angesichts einer restriktiven Geldpolitik stiege dadurch das Risiko für die Konjunktur zusätzlich - zu Lasten des Dollar. Das politische Umfeld hat in den vergangenen Monaten auch viele Zentralbanken - meist aus dem Nahen Osten - zu Euro-Käufen bewegt. "Die Umschichtung der Reserven nahöstlicher Zentralbanken bietet dem Euro eine latente Unterstützung", erklärt ein Analyst.

Der Euro profitiert auch vom Zinsausblick für die Euro-Zone. Bei der EZB gibt es mehr Zinserhöhungs-Phantasie", erklärt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. "Es kann durchaus sein, dass der Euro in diesem Jahr noch an sein altes Hoch von 1,36 Dollar kratzen wird", vermutet DZ-Bank-Devisenanalystin Dorothea Huttanus. Bis Ende dieses Jahres rechnen nach einer in dieser Woche veröffentlichten Reuters-Umfrage die meisten Analysten mit einem Anstieg der Zinsen im Euro-Raum auf 3,25 Prozent von derzeit 2,75 Prozent. (APA/Reuters)

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