Wiederbeschaffung kostet

30. Juni 2006, 13:24
posten

Rechtsanwalt hatte hohes Lösegeld für gestohlenen Caspar David Friedrich ausgelegt - Hamburger Kunsthalle muss dies bezahlen

Hamburg - Nach einem spektakulären Kunstraub muss die Hamburger Kunsthalle 250.000 Euro Lösegeld für die Wiederbeschaffung eines Caspar-David-Friedrich-Gemäldes erstatten. Das hat am Freitag das Landgericht in Hamburg entschieden. Danach muss die Kunsthalle dem Frankfurter Rechtsanwalt Edgar Liebrucks zudem rund 20.000 Euro Honorar zahlen. Er hatte sich für die Wiederbeschaffung des Gemäldes eingesetzt.

Die Hamburger Kunsthalle kann gegen das Urteil Berufung einlegen. Der Geschäftsführer wollte am Freitag die Entscheidung nicht kommentieren.

Der Diebstahl

Die Hamburger Kunsthalle hatte das Gemälde "Die Nebelschwaden" von Caspar David Friedrich an die Kunsthalle Schirn in Frankfurt verliehen. Von dort wurde das Bild 1994 zusammen mit zwei William-Turner-Bildern gestohlen. "Die Nebelschwaden" waren damals mit 3,8 Millionen Mark versichert.

Für das Verbrechen - das als einer der spektakulärsten Kunstdiebstähle der deutschen Nachkriegsgeschichte gilt - wurden 1999 drei Männer zu Haftstrafen bis zu elf Jahren verurteilt. "Die Nebelschwaden" und die Turner-Gemälde blieben aber zunächst verschwunden. Im Auftrag der Londoner Tate Gallery, der die Turner-Bilder gehören, bemühte sich Liebrucks um eine Rückgabe der Bilder.

Langwieriges Hin und Her

Nach jahrelangen Verhandlungen kamen die Turner-Bilder 2002 zurück nach London. Die unbekannten Hintermänner des Verbrechens kassierten dafür von dem Museum mehrere Millionen Euro, die Liebrucks übergab. Der Anwalt erhielt nach eigenen Angaben ein Honorar von 220.000 britischen Pfund (rund 320.000 Euro).

Auch das Bild der Hamburger Kunsthalle konnte Liebrucks schließlich wiederbeschaffen. Der Anwalt verlangte dafür die Erstattung eines Lösegeld, das er für die Rückgabe des Bildes gezahlt habe. Die Kunsthalle widersprach dieser Forderung jedoch und äußerte vor Gericht die Vermutung, der Anwalt könne mit den Dieben gemeinsame Sache gemacht haben.

Dem folgte das Gericht nicht: Es habe einen Auftrag gegeben, in dem die Zahlung eines Vermittlungshonorars vorgesehen war, sagte der Vorsitzende Richter. "Wir sind davon ausgegangen, dass der Kläger hier wirklich das Geld verauslagt hat. Wir haben ihm soweit geglaubt." Die Kunsthalle habe anfangs darauf gehofft, dass ihre Versicherung das Lösegeld erstatten würde. "Doch die Versicherung hat immer gesagt, das macht sie nicht. Trotzdem hat die Kunsthalle weiter verhandelt", sagte der Richter. Zur Zeit hängen "Die Nebelschwaden" in der Caspar-David-Friedrich-Ausstellung in Essen. (APA/dpa)

Share if you care.