Wien startet Energieeffizienz-Programm

30. Juni 2006, 20:51
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180 GWh weniger pro Jahr: Prognostizierter Anstieg soll verringert werden - Gemeinsames Projekt aller Rathausfraktionen

In Wien ist am Freitag der Startschuss für das bisher umfangreichste Energiespar-Programm auf kommunaler Ebene gefallen: Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder (S) präsentierte gemeinsam mit Vertretern der anderen Rathausfraktionen Maßnahmen, die bis 2015 für eine jährliche Reduktion des Energieverbrauches in der Stadt um etwa 180 Gigawattstunden (GWh) sorgen sollen. Genau genommen wird um diesen Wert der Anstieg verringert - denn ein Zuwachs ist jedenfalls prognostiziert.

Laut Rieder ist im Zeitraum von 1993 bis 2003 der Energieverbrauch in Wien um insgesamt 24 Prozent angestiegen, nämlich von jährlich 30.306 auf 37.511 GWh. Laut einem Prognosemodell der Technischen Universität Wien würde bei einer linearen Fortschreibung der Entwicklung der Energieverbrauch bis zum Jahr 2015 um 12 Prozent auf 42.000 GWh klettern.

Effizienzprogramm

Das nun geschnürte Paket ist laut Rieder genau genommen kein Spar-, sondern ein Effizienzprogramm. Es soll den Energieverbrauch so einbremsen, dass 2015 nur 40.136 GWh verbraucht werden. Der Anstieg würde so nicht 12 Prozent, sondern 7 Prozent betragen. "Unser Programm ist ein Vorsorgeprogramm", betonte der Ressortchef. Die unterschiedlichen Maßnahmen richten sich sowohl an Haushalte, Gewerbe und Industrie als auch an öffentliche Stellen.

Zur Umsetzung wird es demnach sowohl Förderanreize als auch rechtliche Festlegungen - etwa in der Bauordnung - geben. Zu den wichtigsten Punkten zählen: Die Verstärkung der energetischen Gebäudesanierung, die Erhöhung der Anzahl von Passivhäusern oder die verstärkte Modernisierung von Heizanlagen. Maßnahmen betreffen auch den boomenden Bereich Kühlung. Anhand von Pilotprojekten soll etwa der Einsatz von Fernkühlung (das Gegenstück von Fernwärme) getestet werden.

Bei Beleuchtung sparen

Die Stadt Wien selbst will etwa bei der öffentlichen Beleuchtung sparen. Es gehe nicht darum, diese abzuschalten, wie Rieder betonte, sondern um effizientere Lampen. Bis 2015 wird etwa eine Reduktion des dort anfallenden Stromverbrauches um 5 Prozent im Vergleich zum Wert aus dem Jahr 2004 angestrebt. Nicht enthalten im Programm ist der Verkehr. Für diesen wurden entsprechende Maßnahmen bereits in einem Masterplan im Jahr 2003 beschlossen.

Das Einbremsen des Energieanstiegs soll sich auch finanziell auswirken: Werden alle Punkte so wie geplant umgesetzt, bedeutet dies demnach eine Einsparung von 5,5 Mio. Euro pro Jahr.

Erarbeitet wurde das Energieeffizienz-Programm in ungewöhnlicher Eintracht: Nicht nur bei der Pressepräsentation, sondern auch in der entsprechenden Arbeitsgruppe waren Vertreter aller vier Rathaus-Fraktionen - also SPÖ, ÖVP, Grüne und FPÖ - vertreten. (APA)

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