Bartenstein setzt AMS-Wunschkandidaten durch

19. Juli 2006, 15:54
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Buchinger und Kopf neue Vorstände - Posten in Steiermark und Oberösterreich offen – Böhm sieht Sozialpartner in Geiselhaft

Wien – Praktisch in letzter Minute wurden am Freitag die neuen Vorstände des Arbeitsmarktservice (AMS) bestellt, denn am gleichen Tag liefen die bisherigen Verträge aus. Während der von der SPÖ protegierte Herbert Buchinger als Fixstarter feststand, setzte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein (ÖVP) nach politischem Tauziehen seinen Wunschkandidaten durch: den 32-jährigen Johannes Kopf, der seit 2003 als Arbeitsmarktexperte und Referent in Bartensteins Kabinett tätig ist.

Die umstrittenen Stellvertreterposten in Oberösterreich und in der Steiermark sind aber nach wie vor offen. Da die Verträge der AMS-Geschäftsführer und deren Stellvertreter per 30. Juni ausliefen, muss der Minister die Positionen nun über die Ersatzvornahme besetzen.

Konkret geht es darum, dass in Oberösterreich die derzeitige Leiterin der Geschäftsstelle in Wels, Birgit Eder, als bessere Kandidatin von der Arbeitnehmerseite im AMS-Verwaltungsrat favorisiert wurde, während die Arbeitgeber lieber Martin Steinbichl aus dem Büro von Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl hätten.

In der Steiermark wollen die Arbeitgeber, dass die derzeitige Stellvertreterin Herta Kindermann-Wlasek von der ehemaligen Personalchefin von Steirerobst, Kristin Sueti, abgelöst wird. Für die Arbeitnehmervertreter ist dies eine politische Entscheidung, die sie nicht mittragen wollen.

Der durch Kopf ersetzte bisherige AMS-Vizechef Herbert Böhm (59) hat schon einen neuen Job. Er wirkt ab Montag als Vorstand des größten privaten Personaldienstleisters, der Firma Trenkwalder.

Für Böhm waren die Umstände der AMS-Bestellungen "disqualifizierend", wie er im Gespräch mit dem STANDARD sagte. "Ich hatte das Gefühl, dass die meisten der Sozialpartner in Geiselhaft genommen wurden." Die eine Seite wollte den einen, die anderen den anderen. "Mit Qualifizierung hat das nichts mehr zu tun." Seinen Nachfolger bezeichnete Böhm als "entwicklungsfähigen, jungen Mann". (APA, afs, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1./2.7.2006)

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    Herbert Buchinger

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