Nobelpreisträger Crutzen will Klima manipulieren

30. Juni 2006, 21:07
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Ballons voller Schwefel sollen Schutzschicht aus Sulfat-Partikeln in der Stratosphäre bilden

Paris - Im Kampf gegen die Erderwärmung will der niederländische Nobelpreisträger Paul Crutzen notfalls zu radikalen Mitteln greifen: Sollte der Anstieg der Temperaturen rund um den Globus sich als "brutaler als erwartet" erweisen, könnte die Menschheit eine Million Tonnen Schwefel per Ballons in die Ozonschicht bringen, sagte der 72-Jährige dem französischen Wissenschaftsmagazin "La Recherche".

Schutzschicht

Daraus würde dann in einer chemischen Kettenreaktion eine Art Schutzschicht entstehen, welche die Sonneneinstrahlung teils absorbieren und innerhalb von Jahren für niedrigere Durchschnittstemperaturen auf der Erde sorgen würde.

Crutzen zufolge könnte der Schwefel in zehn bis 50 Kilometern Höhe, also in der Stratosphäre, verbrannt und in Schwefeldioxid umgewandelt werden. Daraus würden durch Oxidation winzige Sulfat-Partikel mit einem Durchmesser von jeweils weniger als einem Mikrometer entstehen. Diese Teilchen würden Sonnenstrahlen reflektieren und so den Treibhaus-Effekt bremsen.

Ursprung der Idee

Die übel riechende "Notlösung" sei nicht seine eigene Idee, räumte der Nobelpreisträger von 1995 und langjährige Direktor am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie ein: Der Russe Michail Budyko habe sie vor drei Jahrzehnten vorgeschlagen. Nun müsse die Idee aber ernsthaft geprüft werden, zumal beim Klima nicht alles vorhergesehen werden könne. Möglicherweise sei die künftige Erderwärmung unterschätzt worden. "Wir müssen eine Diskussion ohne Hysterie über die Frage einer künstlichen Beeinflussung des Klimas führen." (APA)

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    Nobelpreisträger für Chemie 1995: Paul Crutzen (Archivbild September 2005)

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