"Ein Klassiker des Weltfußballs"

1. Juli 2006, 23:13
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Viertelfinal-Duell der beiden letzten Weltmeister Brasilien und Frankreich - Kaka, Emerson und Robinho fit

Frankfurt - Es sind die Fußball-Weltmeister der beiden vergangenen Turniere, die am Samstagabend (21:00 Uhr/live ORF1) im Viertelfinal-Schlager in Frankfurt aufeinander treffen. Doch waren die Brasilianer als Titelverteidiger und Top-Favorit in die WM-Endrunde 2006 in Deutschland gegangen, so hat Frankreich in deren Verlauf eine Auferstehung gefeiert. Nach durchwachsener Vorrunde gab es im Achtelfinale ein verdientes 3:1 gegen Spanien.

Bei der Heim-WM 1998 hatten die Franzosen um Regisseur Zinedine Zidane die Brasilianer im Finale mit 3:0 vorgeführt und sich selbst den bis dato einzigen Weltmeistertitel beschert. Seither hat Brasilien allerdings alle WM-Spiele gewonnen - elf hintereinander, Rekord. "Es gibt keine Atmosphäre der Revanche oder Rache. Wir verschwenden keinen Gedanken an das Spiel von 1998", versicherte Brasiliens Teamchef Carlos Alberto Parreira.

Angeschlagene Brasilianer

Die Brasilianer sind ohnehin mehr mit sich selbst beschäftigt. Die Mittelfeldspieler Kaka und Emerson quälten sich seit dem glanzlosen 3:0-Erfolg im Viertelfinale gegen Ghana mit leichten Knieverletzungen, sind aber ebenso fit wie der zuletzt an einer Oberschenkelverletzung laborierende Robinho. Der Jungstar dürfte damit erstmals an Stelle von Adriano im Sturm neben seinem Real-Madrid-Kollegen Ronaldo beginnen.

Ronaldo hatte mit seinem 15. WM-Tor gegen Ghana den Deutschen Gerd Müller (14) als ewigen Rekordler abgelöst, steht aber mit 29 Jahren noch keineswegs am Ende seiner Karriere. "Natürlich will ich die Marke weiter steigern, aber dabei nicht vergessen, dass mein primäres Ziel der Weltmeistertitel ist", sagte Ronaldo, der bei 63 Toren in 96 Länderspielen hält. "Wir müssen das Spiel gegen Frankreich wie ein Finale sehen."

Vor genau 20 Jahren in Mexiko waren die Brasilianer im WM-Viertelfinale an den Franzosen gescheitert - im Elfmeterschießen nach einem 1:1. Brasilien gegen Frankreich hat Tradition, Parreira, der sein 20. WM-Spiel als Trainer bestreitet, sprach von einem "Klassiker des Weltfußballs". Zwölfmal waren die beiden Rivalen bis dato aufeinander getroffen. Die Bilanz könnte ausgeglichener nicht sein: vier Siege auf beiden Seiten bei vier Remis.

Der Franzose Patrick Vieira war als einziger Spieler bei den vier vergangenen Aufeinandertreffen dabei. "Als Fußballspieler ist dein erster Traum, an einer WM teilzunehmen, der nächste ist, dort auf Brasilien zu treffen", erklärte der defensive Mittelfeldspieler, der sich mit Top-Leistungen und Toren in den Schlüsselspielen gegen Togo (2:0) und Spanien ins Rampenlicht gespielt hat. "Erneut auf sie zu treffen ist eine fantastische Herausforderung."

Um diese zu bewältigen, müssen sich die Franzosen nach Ansicht ihres Teamchefs aber trotz der bis dato wenig berauschenden Vorstellungen des Rekordweltmeisters noch einmal steigern. "Brasilien verbessert sich mit der Leistung des Gegners", warnte Raymond Domenech, der erneut auf Solostürmer Thierry Henry setzt. Der Arsenal-Superstar hat im laufenden Wettbewerb zwar erst zweimal getroffen, ist aber jederzeit für ein Tor gut.

Die Brasilianer um den bis dato nur mäßig überzeugenden Weltfußballer Ronaldinho (wartet seit 2005 auf ein Länderspiel-Tor) waren zuletzt auf Grund ihres wider Erwarten mangelnden Ballzaubers kritisiert worden. "In den Geschichtsbüchern steht nichts von schönem Spiel, sondern nur von den Champions", entgegnete Teamchef Parreira. (APA/Reuters)

  • BRASILIEN - FRANKREICH (Frankfurter Stadion, 21 Uhr, Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo/Spanien):

    Brasilien: 1 Dida - 2 Cafu, 3 Lucio, 4 Juan, 6 Roberto Carlos - 8 Kaka, 5 Emerson oder 17 Gilberto Silva, 11 Ze Roberto, 10 Ronaldinho - 9 Ronaldo, 23 Robinho oder 7 Adriano Fraglich: Emerson, Kaka (beide Knieverletzung), Robinho (Oberschenkelverletzung)

    Frankreich: 16 Barthez - 19 Sagnol, 15 Thuram, 5 Gallas, 3 Abidal - 22 Ribery, 4 Vieira, 6 Makelele, 10 Zidane, 7 Malouda - 12 Henry Fraglich: Zidane (leicht angeschlagen)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Zidane gibt noch einmal alles.

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