Eurozone könnte Wachstum 2006 übertreffen

11. Juli 2006, 16:06
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EU-Kommission sieht deutliche Belebung - Mehr Anstrengung in der Budgetpolitik gefordert

Brüssel - Die Wirtschaft im Euroraum steht der EU-Kommission zufolge trotz hoher Ölpreise, Euro-Aufwertung und der jüngsten Kursverluste an den Aktienmärkten weiter vor einer deutlichen Belebung. Die letzte Wachstumsprognose der Kommission, in der sie von einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 2,1 Prozent ausgegangen war, könnte deshalb sogar noch übertroffen werden.

"Die neuesten Konjunkturdaten geben Anlass zu Optimismus", hieß es in dem am Freitag in Brüssel veröffentlichten Quartalsbericht. Damit bestehe nun ein Umfeld mit dem Potenzial, die negativen Effekte zu verkraften. Das kräftige Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum im ersten Quartal habe die Frühjahrsprognose für das Gesamtjahr bestätigt. Die verbesserte Stimmung und die jüngsten Entwicklungen brächten im Hinblick auf die kurzfristigen Prognosen eher ein Aufwärts- als ein Abwärtsrisiko.

Erholung der Binnennachfrage

Ermutigend seien die Hinweise auf die lang erwartete Erholung der Binnennachfrage. "Der private Konsum hat spürbar zugenommen im ersten Quartal und hat einen deutlichen Wachstumsbeitrag geleistet", so die Behörde. Bei den privaten Investitionen sei im Frühjahrsquartal mit einer kräftigen Beschleunigung zu rechnen.

Angesichts der erwarteten kräftigen Konjunkturerholung verlangte die EU-Kommission verstärkte Anstrengungen der Euroländer zur Haushaltssanierung. Auch von Österreich hat die Kommission zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen eingefordert, um die strukturelle Budgetbilanz zu verbessern.

Stimmung hellt sich überraschend auf

In der Eurozone hat sich die Wirtschaftsstimmung im Juni überraschend den siebten Monat in Folge aufgehellt. Der Economic Sentiment Index (ESI) sei von 106,7 Punkten im Vormonat auf 107,2 Punkte geklettert, teilte die EU-Kommission weiter mit. Von AFX befragte Experten hatten im Schnitt hingegen mit einem leichten Rückgang auf 106,2 Punkte gerechnet.

Das Industrievertrauen verbesserte sich von zwei auf drei Punkte. Volkswirte hatten zuvor mit einem Rückgang auf einen Punkt gerechnet. Das Verbrauchervertrauen verharrte auf minus 9 Punkten. Hier hatten die befragten Experten eine leichte Verbesserung auf minus 8 Punkte erwartet. Für den Dienstleistungssektor sank der Indikator von 20 auf 19 Punkte, während das Vertrauen im Einzelhandel von minus einem Punkt auf plus zwei Punkte kletterte. Das Vertrauen in der Bauwirtschaft lag den Angaben zufolge unverändert bei minus zwei Punkten.

Der ESI setzt sich aus fünf Unterindikatoren zusammen. In ihm gehen das Industrievertrauen mit 40 Prozent und das Dienstleistungsvertrauen mit 30 Prozent ein. Das Verbrauchervertrauen steuert 20 Prozent bei. Das Bauwirtschafts- und das Einzelhandelsvertrauen werden zu jeweils 5 Prozent gewichtet. (APA)

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