Offener Brief Gusenbauers sorgt für Kritik

10. Juli 2006, 20:32
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Postgewerkschafts-Chef Fritz: "Aufregung unnötig, weil sie künstlich ist und hochgespielt wird" - Bittner hofft auf "Schlusspunkt"

Wien - Der in zahlreichen Zeitungen veröffentlichte Offene Brief von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer mit der darin enthaltenen Distanz zu den ÖGB-Spitzen sorgt für eine weitere Verstimmung in dem schon gespannten Verhältnis zwischen Partei und sozialdemokratischen Gewerkschaftern. Der Vorsitzende der Postgewerkschaft, Gerhard Fritz, erklärte am Freitag, das Schreiben habe für ihn "absolut keine Relevanz". Die Aufregung sei "unnötig, weil sie künstlich ist und hochgespielt wird". Befragt, dass die jüngste Aufregung aber auf den Brief Gusenbauers zurückgeht, sagte Fritz: "Ja eh, ich finde es trotzdem unnötig".

Er selbst fühle sich jedenfalls "nicht betroffen. Weil ich ohnehin nie vorgehabt habe, für den Nationalrat zu kandidieren". Ob die ganze Vorgangsweise gut für den Wahlkampf der SPÖ ist? - Fritz: "Das ist sein (Gusenbauers, Anm.) Wahlkampf". Er wolle sich nicht an der Debatte beteiligen. "Für mich ist es wichtig, Arbeitnehmerinteressen durchzusetzen". Aber schwächt man nicht dieses Ziel, wenn Gusenbauer Spitzengewerkschafter für die SPÖ im Nationalrat verhindern will? - Fritz: "Ich habe bisher keine Schwächung gemerkt. Ich werde auch unbeschadet der Parteizugehörigkeit irgendwelcher Regierungsmitglieder die Interessen der Arbeitnehmer durchsetzen", so der Postgewerkschaftschef.

Die Aufregung über das Vorgehen Gusenbauers dürfte in der Gewerkschaft jedenfalls einigermaßen groß sein. Der Eindruck, dass man das Schreiben als "Tritt in den Hintern" betrachte, wurde unwidersprochen gelassen.

Bittner hofft auf "Schlusspunkt"

Der Chef der Drucker-Gewerkschaft, Franz Bittner, hofft nach dem Offenen Brief von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer mit der Absage an ÖGB-Spitzenvertreter im Nationalrat auf einen "Schlusspunkt" der Auseinandersetzung zwischen Partei und sozialdemokratischen Gewerkschaftern. Gusenbauer wolle offenbar mit dem Schreiben die "Wogen in der Gesamtbevölkerung glätten". Was das Vorgehen für den "inneren Frieden" zwischen SPÖ und FSG bedeute, "lasse ich dahin gestellt", so Bittner gegenüber der APA.

Man sollte sich jetzt auf beiden Seiten darauf konzentrieren, zur Sacharbeit zurückzukehren. "Wir haben eine Wahl zu schlagen, es hat keinen Sinn, auf der Ebene zu kommunizieren". Also wird es in den morgigen Tageszeitungen keinen Antwortbrief der ÖGB-Spitze geben? - Bittner: "Ich schließe das aus, dass die FSG eine Gegendarstellung macht", er könne aber nicht für alle sprechen. Man könnte ja fast meinen, dass "das insgesamt eine klasse Geschichte für die Werbewirtschaft ist", aber es sei besser, die Sache nicht weiter zu führen.

Befragt, ob die Gewerkschafter mit einer eigenen Partei bei den Nationalratswahlen antreten könnten, winkt Bittner entsetzt ab: "Mit hundertprozentiger Sicherheit nicht. Das wäre völlig verrückt. Jetzt müssen wir schauen, dass Partei und FSG zur Ruhe kommen. Es geht um die Inhalte und nicht um die Befindlichkeiten von einzelnen Persönlichkeiten". (APA)

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