Grüne fordern Alpentransit-Börse gegen Lkw-Flut

21. Juli 2006, 16:03
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Alpen-Initiative Schweiz: Brenner-Basistunnel in derzeitiger Planung "eine Verrücktheit"

Innsbruck - Die Grünen wollen mehr Marktwirtschaft auf den alpenquerenden Straße. Wer mit dem Lkw fahren will, soll dafür zahlen - und zwar mehr als die Mitbewerber. Wie zuletzt auch von der EU angedacht soll eine Alpentransit-Börse eingerichtet werden, bei der Lkw-Betreiber via Internet vergleichbar mit Aktien Straßenkilometer erwerben. Ein entsprechendes Modell gibt es bereits in der Schweiz, derzeit wird an einer möglichen Umsetzung gearbeitet, so Alf Arnold, Geschäftsführer der Alpen-Initiative Schweiz am Freitag vor Journalisten.

Nur mit dieser Börse sei es möglich, die anstehenden europäischen Mega-Verkehrsprojekte zu finanzieren, betonte die Grüne Verkehrssprecherin Eva Lichtenberger. Denn nur wenn der Straßenverkehr teuer genug sei, würden die Spediteure von der Straße auf die Schiene wechseln. Damit der Preis hoch gehalten wird, muss das Angebot an Alpenkilometern aber nach oben begrenzt sein, so die Grüne Verkehrsexpertin.

Damit nicht internationale Frachtkonzerne alle "Straßen-Aktien" aufkaufen und die kleinen lokalen Frächter nicht mehr aus der Garage kommen soll es nach den Grünen Plänen eigene oder bevorzugte Kontingente für den Regionalverkehr geben.

Sinnlos

Wie schon die Grünen in der Vergangenheit betonte heute auch Arnold, dass nach den derzeitigen politischen Transit-Rahmenbedingungen der geplante Brenner-Basistunnel völlig sinnlos sei. Werde der Straßenverkehr nicht durch hohe Preise auf die Schiene gezwungen, sei der milliardenschwere Bahntunnel, für dessen Probestollen heute der Spatenstich erfolgte, "eine Verrücktheit". Und Lichtenberger ergänzte in Replik auf eine Schlagzeile in den Medien: "Es sticht der Spaten, doch das Werk wird nicht geraten."

Der Tunnel soll nach Schätzungen rund acht Mrd. Euro kosten - ohne Zubringerstrecke - und 2015 fertig sein. Die Kosten teilen sich Österreich und Italien, ein 20-prozentiger Beitrag soll von der EU kommen. Eine Fixzusage gibt es jedoch nicht.(APA)

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