Große Hochwasser in Österreich seit 1990

11. Juli 2006, 09:19
posten

Drei Milliarden Euro Schaden bei Rekordhochwasser 2002

Im Juli 1954 und im August 2002 verzeichneten die Meteorologen im Einzugsbereich der Donau "Jahrhunderthochwasser". Österreich wurde immer wieder von enormen Wassermassen heimgesucht. Anbei eine Chronik der vergangenen 15 Jahre:

1991: Hochwassermarke in Wien erreciht

Die schwerste Hochwasserlage seit den Fünfzigern wurde 1991 gemessen: Damals traten die Zubringer von Salzach, Inn und Enns zum Donauraum über die Ufer. Teile Niederösterreichs wurden völlig überschwemmt, im Raum Neunkirchen und Wiener Neustadt zahlreiche Keller und Straßen überflutet. In Wien wurde erstmals wieder die Hochwassermarke erreicht.

Insgesamt wurden in den betroffenen Gebieten zwischen dem 31. Juli und dem 5. August durch Wasser und Schlamm sechs Menschen getötet, auf rund 6.000 Hektar Ackerland die Ernte vernichtet; rund 80 Prozent des bestehenden Niederwildes und 50 Prozent des Rotwildes getötet. Der Wert der Ernteausfälle bei Getreide, Gemüse und Obst belief sich auf rund 21,8 Millionen Euro, der Gesamtschaden (auch an Gebäuden, Uferverbauungen und Gütern) rund 72,7 Millionen Euro, allein in Krems rund 5,81 Millionen Euro.

1994: Schäden in Millionenhöhe

Im Juli 1994 gingen über dem Osten Österreichs Gewitter nieder, die Schäden in Millionenhöhe verursachten. Auf der Wiener Hohen Warte wurde innerhalb von drei Stunden mit 45 Liter/m2 mehr als die Hälfte des durchschnittlichen Monatsniederschlages registriert. Besonders schlimme Auswirkungen hatten die Niederschläge am Bisamberg. Mit dem Regen mitgeschwemmte Erdmassen beschädigten Weinkeller, ganze Straßenzüge und dort geparkte Pkw. Ein Mann wurde von den Wassermassen erfasst und getötet. Zu Überflutungen kam es auch in nahe gelegenen Gemeinden in Niederösterreich: In Wolkersdorf glich das Ortszentrum einem großen Schlammsee; bei Fischamend war die B9 überflutet.

1997: "Großer Regen"

Vom 4. bis zum 8. Juli 1997 wurde Österreich vom "großen Regen" heimgesucht. In Wien standen zahlreiche Keller unter Wasser. In Niederösterreich war die B3 zwischen Stockerau und Tulln auf rund einem Kilometer bis zu 15 Zentimeter hoch überschwemmt. In Oberösterreich waren die Bezirke Steyr, Schärding, Grieskirchen Ried im Innkreis und Gmunden am stärksten betroffen. In der Stadt Steyr musste der Ennskai gesperrt werden. In Schärding erreichte der Inn die Hochwasser-Alarmgrenze. Mit den anhaltenden Regenfällen lösten sich zahlreiche Muren. Die größte verlegte die B145 zwischen Bad Ischl und Ebensee. In der Stadt Salzburg erreichte der Pegelstand der Salzach die Warngrenze.

In Niederösterreich wurden die Bezirke Mödling, Baden, Wien-Umgebung, Lilienfeld, Tulln, Neunkirchen und Sankt Pölten von den Überflutungen katastrophal mitgenommen. Zeitweise war die Stromversorgung unterbrochen. Im Ortszentrum von Purkersdorf rissen die Fluten eine Brücke weg. Die Gemeinde war von der Umwelt abgeschnitten. Eine Pensionistin ertrank im Gablitzbach. Weite Teile der Stadt Baden waren ebenso überflutet wie das Regierungsviertel in Sankt Pölten. Der gesamte Bezirk Lilienfeld war von der Umwelt abgeschnitten. Die landwirtschaftlichen Schäden wurde auf rund zwei Milliarden Schilling (145 Mill. Euro) geschätzt.

2002: Jahrhundert-Hochwasser

Im August 2002 waren durch das Jahrhundert-Hochwasser in Österreich Schäden in einer Größenordnung von rund drei Milliarden Euro entstanden. Neun Menschen ließen damals ihr Leben. In Niederösterreich waren die Schäden hauptsächlich im Waldviertel und entlang der Donau, aber auch weit bis nach Osten lokalisiert, wobei das absolute Schadenszentrum der Unterlauf und der Mündungsbereich des Kamps war.

In Oberösterreich traf es das Machland und das Eferdinger Becken, viele weitere Schadenszentren waren über das Bundesland verteilt. In der Steiermark gab es ein lokales Hochwasserereignis mit Schwerpunkt im Bezirk Liezen, in Tirol ein kleinräumiges Ereignis mit Zentrum in St. Johann in Tirol. Salzburg war ebenfalls betroffen.

2005: Schwere Unwetter

Am 11. Juli 2005 verursachte Dauerregen vor allem in Salzburg große Schäden: Am stärksten betroffen war Mittersill im Pinzgau. Der ganze Ort wurde überflutet, sogar das Krankenhaus musste geräumt werden. Die Überschwemmungen richteten nach Schätzungen des Bürgermeisters Schäden im dreistelligen Millionenbereich an.

Schwere Unwetter suchten Österreich erneut am 22. August 2005 heim: In der Steiermark starb in der Gemeinde Gasen eine 50-Jährige durch eine Mure. Einen Tag später stiegen die Pegel in Westösterreich dramatisch an. Der Bahnverkehr in Vorarlberg kam komplett zum Erliegen, die Verkehrsverbindungen zwischen Tirol und Vorarlberg mussten gesperrt werden. Im Tiroler Ötztal kam ein Arbeiter unter einer Steinlawine ums Leben, in Vorarlberg wurden zwei Menschen vermisst, unter anderem ein 81-Jähriger, der mit seinem Pkw von den Fluten fortgerissen wurde.

2006: Dammbruch an der March

Dramatische Szenen spielten sich im Frühjahr 2006 in Niederösterreich ab. Am 3. April brach bei Jedenspeigen (Bezirk Gänserndorf) der Damm der March. Die Wassermassen führten im Ort Dürnkrut zu Überflutungen, die halbe Gemeinde musste evakuiert werden. Die Lage spitzte sich über Tage zu. Regenfälle und Schneeschmelze hatten zuvor den Wasserstand der Donau und der meisten Nebengewässer im Wein- und Waldviertel ansteigen lassen. Die Thaya trat in den Bezirken Waidhofen a.d. Thaya und Horn an vielen Stellen über die Ufer. Auch der Pegel des Kamp stieg.

Extreme Regenfälle führten Ende Juni erneut zu einer extremen Hochwassersituation im nördlichen Waldviertel. Der Pegel der Thaya stieg in ungeahnter Form an. Besonders betroffen war Raabs a.d. Thaya, wo der Hauptplatz unter Wasser stand und große Zerstörungen an Häusern angerichtet wurden. (APA)

Share if you care.