WM-Besucher zahlen 36,5 Mio. Euro Handy-Gebühren

7. Juli 2006, 10:30
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Kommissarin Reding: Fußball-WM "wahre Roaming-Goldgrube" für Handynetzbetreiber - Gesetzespläne bestätigte

Die Besucher der Fußball-WM in Deutschland werden schätzungsweise 36,5 Mio. Euro für Handy-Telefonieren, SMS und Video-Nachrichten ausgeben. Dies erklärte EU-Telekomkommissarin Viviane Reding am Donnerstagabend laut Redetext in einem Vortrag in Brüssel. Reding bezeichnete die WM als "wahre Roaming-Goldgrube" für die Mobilfunkbetreiber. Fußball-Fans, die derzeit aus der ganzen Welt nach Deutschland reisten, würden unausweichlich "ihre Roaming-Erfahrungen" machen, kritisierte die Kommissarin.

8,5 Mrd. Euro pro Jahr

In Summe werden die Einnahmen aus Roaming in der EU derzeit auf 8,5 Mrd. Euro pro Jahr geschätzt. Die EU-Kommission will bis Mitte Juli einen Gesetzesvorschlag vorlegen, durch den die Roaming-Gebühren innerhalb Europas um 50 bis 70 Prozent sinken und Passiv-Gebühren für empfangene Anrufe komplett entfallen sollen. Reding bestätigte in ihrer Rede bisherige Informationen aus Kommissionskreisen, wonach die Großhandelspreise für Roaming-Gespräche EU-weit einheitlich limitiert und die Gewinnmargen bei den Endkundentarifen begrenzt werden sollen.

Vier- bis fünfmal so viel, wie das Telefonat tatsächlich kostet

Laut Schätzung der Kommission verlangen die Netzbetreiber für ein Roaming-Gespräch vier- bis fünfmal so viel, wie das Telefonat tatsächlich kostet. Nach dem Gesetzesvorschlag sollen die Kundenpreise künftig maximal 30 Prozent über den betreiberinternen Kosten liegen.

Profitieren sollen davon aber nicht nur die Fußball-Fans und die Touristen, sondern vor allem auch die europäischen Unternehmen, betonte Reding. Nach den Zahlen der Mobilfunker nutzen derzeit 147 Millionen europäische Kunden das Handy im europäischen Ausland - 110 Millionen davon sind Geschäftskunden, 37 Millionen Privatkunden. Unternehmen würden somit am meisten unter den Roaming-Gebühren leiden.

Impuls

Daher erhofft sich die EU-Kommission von den neuen Bestimmungen auch einen signifikanten Impuls für die Wirtschaft. Ziel müsse es sein, dass die Überschreitung von Landesgrenzen innerhalb Europas in Zukunft die Kosten für die Unternehmen nicht mehr erhöhe, sagte Reding.

Kritik

Aus Österreich hatte es zuletzt an den Plänen der EU-Kommission zur Senkung der Roaming-Gebühren heftige Kritik gegeben. Sowohl die Mobilfunkunternehmen als auch der Telekom-Regulator glauben, dass dadurch die Handy-Tarife im Inland teurer werden könnten.(APA)

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