Wiener Wein im coolen Verkostungsoutfit

3. November 2006, 10:46
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Mit der Qualität wandelt sich auch die Präsentation der Produkte. Bei der großen Verkostungs-Veranstaltung zum "Wiener Weinpreis 06" wird ein zeitgemäßes, modernes Wiener Wein-Image präsentiert

Wien - "Einen 86er und den 93er, bitte", lautet dieser Tage eine klassische Bestellung im Wiener Rathaus. "Die sagen nur noch die Nummern - des is ja wie beim Chinesa", murmelte ein Nebenstehender an der Ausschank, seine schnuppernde Nase gleich wieder tief ins Glas steckend.

Doch die Nummern 86 und 93 sind weder gebratene Ente noch etwas Süßsaures, sondern die Verkostungsnummern des klassischen Chardonnay Mauerberg vom Edl-moser und des Chardonnay Select vom Wieninger. Das große Wiener Wein-Spektakel im Arkadenhof hat so wenig mit einem China-Restaurant zu tun - wie mit dem althergebrachten Heurigen-Kitsch-Klischee. So, wie Heurige und Winzer mit ihren Spitzenprodukten im Rathaus präsentiert werden, kommt das mit modernen Möbeln und mit cooler Musik daher - vor allem aber: Hand in Hand mit Wiener Spitzengastronomie.

Dass heimische Starköche wie Christian Petz (Coburg) Reinhard Gerer (Korso), Heinz Reitbauer junior (Steirereck) und Winni Brugger (Indo- chine 21) für den Wiener Wein aufkochen, wäre vor wenigen Jahren undenkbar gewesen.

Doch genauso wie die Präsentation hat sich auch das Produkt selbst gewandelt - und nur mithilfe dieses Qualitätsschubs kann das heimi-sche Produkt auch den Weg in die Gastronomie finden.

Die insgesamt 132 mit Gold prämierten Weine, die beim Weinfest noch bis Freitag, 30. Juni, im Rathaus zum Verkosten bereitstehen, haben sich jedenfalls zum Gutteil vom früheren Wiener Wein-Image schon deutlich abgesetzt.

Seit Mittwochabend ist auch die drängendste Frage dieser Veranstaltung beantwortet: wer von den mehr als 60 Finalweinen Landessieger wurde. "Wissts schon was Neues?", fragte sogar eine bekannte Wiener Heurigenbesitzerin im Vorfeld immer wieder bei den Ausschankständen nach. Doch auch dort wusste man es erst spätabends, nach der offiziellen Präsentation.

Knapp die Hälfte der Landessieger-Prämierungen hat übrigens jenes Quartett abgeräumt, das neuerdings unter dem Logo "WienWein" gemeinsam auftritt: Christ, Edlmoser, Wieninger und Zahel. Aber auch sonst sind die Besten der Besten breit über das Stadtgebiet verteilt: Von der Irene Langes am Bisamberg bis zum Hengl-Haselbrunner in Grinzing.

Doch auch andere Gold-Winzer sind Tagesgepräch bei der Publikumsverkostung: "Der Stefan Hajszan hat großes vor", hieß es etwa an einem Stand. "Von null auf zwölf Hektar in Wien, aus dem Nichts. Dabei kommt er eigentlich aus Krems."- "Wir haben gerade genau darüber g'redet", stößt eine Frau vom Nebenstand dazu.

Und langsam wird die neue Wiener Weinqualität auch international bekannt. Langsam. "We want something typical Austrian", sind zwei amerikanische Touristen neugierig. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 30. Juni 2006)

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    foto: standard/andy urban
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