Topfavoriten ausgeschlossen

13. Oktober 2006, 12:44
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Knalleffekt: Kein Doping-Verdächtiger darf an den Start, neben Jan Ullrich wurden auch Basso und Mancebo gesperrt

Straßburg - Einen Tag vor dem Start der 93. Tour de France sind fast alle Favoriten bereits aus dem Rennen. Die Organisatoren schlossen am Freitag alle Radprofis aus, deren Namen im Zusammenhang mit dem in Spanien aufgedeckten Dopingskandal genannt werden. Darauf haben sich die Teamchefs laut Tour-Direktor Christian Prudhomme geeinigt. Suspendiert sind damit unter anderen der Deutsche Jan Ullrich und der amtierende Giro-Sieger Ivan Basso aus Italien. Auch der Spanier Francisco Mancebo, dem Chancen auf den Tour-Sieg eingeräumt worden waren, wurde aus dem Verkehr gezogen.

Die Teamchefs verständigten sich am Freitag darauf, keine Fahrer nachzunominieren. Damit tritt T-Mobile nur mit sieben Athleten an, der nun definitiv ab Montag bei der Österreich-Rundfahrt engagierte Österreicher Bernhard Kohl wäre aber ohnehin nicht nachnominiert worden.

Verdacht der Blut-Manipulation

Die Ermittler in Spanien haben Indizien, dass Ullrich und Basso so wie alle anderen Beschuldigten mit durch rote Blutkörperchen angereichertem Blut manipuliert haben könnten. In der Praxis der Mediziner Eufemiano Fuentes und Merino Batres, gegen die Untersuchungen laufen, waren Blutbeutel und Unterlagen gefunden worden, die auf T-Mobile-Fahrer Ullrich hinwiesen.

Der deutsche Rennstall hatte am Freitag als erster reagiert und Ullrich, seinen persönlichen Betreuer Rudy Pevenage sowie Sevilla suspendiert. "Die neuen Erkenntnisse reichen aus, dass wir sagen: Es ist unmöglich, mit den Drei weiter zu arbeiten", erklärte Christian Frommert, der Kommunikations-Leiter von T-Mobile in Plobsheim, wo die Bonner eine stimmungsvolle Einstimmung auf die kommende Tour geplant hatten. "Selbstverständlich werden Ullrich, Sevilla und Pevenage die Möglichkeit haben, ihre Unschuld zu beweisen." Eine Möglichkeit wäre eine DNA-Analyse.

Ullrich beteuert Unschuld

Ullrich hatte noch am Donnerstag seine Unschuld beteuert. Sollte ihm der Nachweis dafür nicht gelingen, wäre die Karriere des 32-jährigen Tour-Siegers von 1997 mit großer Wahrscheinlichkeit beendet. Teammanager Olaf Ludwig zeigte sich tief enttäuscht von den suspendierten Profis. "Wir haben mehrmals mit den Fahrern gesprochen und ihre Unschuldsbeteuerungen sogar in schriftlicher Form vorliegen", sagte er.

Nach ersten Meldungen, dass Athleten des T-Mobile-Teams in den in Spanien aufgedeckten Doping-Skandal verwickelt sein könnten, habe die Teamleitung eine schriftliche Erklärung von ihren Fahrern verlangt, die diese auch allesamt unterschrieben hätten. "Es gibt klare Richtlinien, die vereinbart sind und die keinen Interpretationsspielraum lassen. Dies war auch Ullrich, Sevilla und Pevenage bekannt", erklärte Ludwig.

Der Bus kehrte um

Die neun für die Tour vorgesehenen T-Mobile-Fahrer waren im Mannschaftsbus gerade auf dem Weg vom Teamhotel nach Plobsheim, wo rund 200 Journalisten warteten. Die Fahrer erfuhren telefonisch von der Entscheidung des Sponsors und drehten sofort um Richtung Teamhotel, das bereits von Reportern belagert wurde. Erst nach erbrachtem "Beweis der Unschuld" (Pressesprecher Stefan Wagner) sei eine Vertragverlängerung des zum Ende des Jahres auslaufenden Ullrich-Kontraktes diskutabel.

Der 32-jährige Kapitän verdient bei T-Mobile pro Saison schätzungsweise rund 2,5 Millionen Euro. Dazu hat er mehrere lukrative Werbeverträge, die jetzt sicher einer besonderen Prüfung unterliegen.

Auch Basso suspendiert

Wenige Stunden später wurde auch der 28-jährige Basso von seinem Team CSC suspendiert. "Wir müssen jetzt auf die Mannschaft schauen", erklärte der dänische Team-Direktor Bjarne Riis. "Ich vertraue Basso, aber jetzt liegt es an ihm und seinen Anwälten, die Anschuldigungen zu entkräften."

Belastet in den spanischen Doping-Ermittlungen werden unter anderem auch die spanischen Teams Comunidad Valenciana und Astana-Würth. Die Einladung von Comunidad Valenciana zur Tour wurde zurückgezogen. Ein Sport-Schiedsgericht entschied am Donnerstag, dass das Team des einstigen Ullrich-Teamgefährten Alexander Winokurow nicht ausgeschlossen werden könne.

Ausgangspunkt für den neuerlichen Doping-Skandal im Radsport waren die Funde von Blutbeuteln und Dokumenten über Doping-Behandlungen an Radsportlern in einer Madrider Klinik im Mai.(APA/dpa/AP/Reuters/AFP)

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