Israelischer Luftangriff auf Innenministerium in Gaza

4. Juli 2006, 06:56
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Jihad-Führer getötet - Palästinensische Entführer unter Bedingungen zu Freilassung von Soldaten bereit

Gaza/Jerusalem/Genf - Israel hat die nach der Entführung eines Soldaten durch palästinensische Extremisten eingeleitete Militäroffensive mit mehr als dreißig Luftangriffen auf Ziele im Gaza-Streifen verstärkt. Dabei ist der Amtssitz des Innenministeriums in Gaza mit Raketen in Brand geschossen worden, verletzt wurde niemand.

Dem palästinensischen Jerusalem-Minister Khaled Abu Arafeh und drei weiteren führenden Hamas-Mitgliedern entzog Israel das Aufenthaltsrecht in Ost-Jerusalem. Der palästinensische Ministerpräsident Ismail Haniyeh erklärte nach dem Freitagsgebet in einer Moschee von Gaza, die Offensive habe das Ziel, die Hamas-Regierung zu stürzen. Diese werde aber ungeachtet der Festnahme von acht ihrer Minister und zahlreichen Parlamentsabgeordneten durch Israel standhaft bleiben und sich nicht von ihren Positionen abbringen lassen.

Die israelischen Bodentruppen blieben in ihren Stellungen an der Grenze. Ägypten will offenbar noch in Verhandlungen die Freilassung des entführten israelischen Korporals Gilad Shalit erreichen. "Je schneller das geschieht, desto so besser", erklärte der israelische Verteidigungsminister und Vizepremier Amir Peretz. Haniyeh versicherte in Gaza, er arbeite hart daran, die Krise mit Israel zu beenden: "Wir setzen unsere Bemühungen und die Kommunikation mit den Ägyptern, mit Präsident Mahmoud Abbas und anderen Parteien fort".

Er warf Israel zugleich vor, die Soldaten-Entführung als Vorwand zu benützen, um einen Plan umzusetzen, "der die Palästinenser in die Knie zwingen, brechen und erniedrigen soll". Israel führe einen "offenen Krieg", nachdem es mit seinen "Erpressungen keinen Erfolg" gehabt habe. Er fügte hinzu: "Wir werden keine Zugeständnisse machen."

Nach Angaben des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak sind die Entführer Shalits unter bestimmten Bedingungen zur Freilassung des 19-Jährigen bereit. Er habe die Hamas-Führung eindringlich davor gewarnt, in der Geiselkrise eine radikale Position einzunehmen, sagte Mubarak der Kairoer Zeitung "Al-Ahram". Auch habe er sie an ihre Verantwortung gegenüber der palästinensischen Zivilbevölkerung erinnert.

Aus verschiedenen Orten des Gaza-Streifens wurden neuerlich israelische Luftangriffe gemeldet. In Rafah wurde ein Führer des Islamischen Jihad getötet. Im nördlichen Teil des Gebiets wurde nach Krankenhausangaben ein fünfjähriges Mädchen verletzt, israelischer Artilleriebeschuss legte nach palästinensischen Angaben die Stromversorgung lahm.

Die Zerstörung des einzigen Elektrizitätswerks im Gaza-Streifen durch israelische Raketen könnte nach Befürchtung des UNO-Nothilfekoordinators Jan Egeland eine schwere humanitäre Krise für mehrere hunderttausend Palästinenser heraufbeschwören. Sofern Israel jetzt nicht für die Strom- und Wasserversorgung sorge, sei das Leben vieler der eineinhalb Millionen Menschen im Gaza-Streifen in Gefahr, warnte Egeland. "Wir sind entsetzt darüber, wie mit der Zukunft schutzloser Zivilisten umgegangen wird, die der Kinder eingeschlossen".

Die Bombardierung des E-Werks ist aus Sicht Egelands eine Verletzung der Menschenrechte, unter der die unschuldige Bevölkerung zu leiden habe. Seit dem Luftangriff in der Nacht auf Mittwoch verfügen nach UNO-Angaben mehr als 60 Prozent der Einwohner im Gaza-Streifen nicht mehr über fließendes Wasser. Auch die Internationale Juristenkommission (ICJ) hat die Aktionen der israelischen Armee kritisiert.

Als "faktische Besatzungsmacht" ist Israel nach den Genfer Konventionen verpflichtet, sich zurückzuhalten und die Bevölkerung zu schützen. Kollektive Bestrafungen seien unzulässig, hieß es in einer in Genf veröffentlichten Erklärung der Kommission, die gleichzeitig die Entführung des israelischen Soldaten verurteilte. (APA/dpa/AP/Reuters)

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    Zerstörte Häuser rund um das Innnenministerium

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