"Geschmack hat sich verändert"

26. Juli 2006, 15:21
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Thonet-Chef Giovanni del Vecchio will die Traditionsmarke mit neuem Sortiment und neuen Materialien wiederbeleben

STANDARD: Sie sperren das Werk Friedberg in der Steiermark mit Ende der FreitagSchicht zu. Warum?

Del Vecchio: Weil es sich für uns nicht mehr rechnet. Der Geschmack hat sich geändert, es werden andere Produkte nachgefragt. Wir müssen dar-auf reagieren.

STANDARD: Keine Bugholzmöbel mehr?

Del Vecchio: Der Markt für relativ aufwendig hergestellte Produkte, wie wir sie in den vergangenen Jahren in der Steiermark gefertigt haben, ist vergleichsweise klein und wächst nicht.

STANDARD: Verabschieden Sie sich generell von der Bugholztechnik?

Del Vecchio: Nein. Bugholzmöbel stellen immer noch einen wichtigen, wenn auch nicht den größten Teil der in unseren Katalogen abgebildeten Möbel dar. Es ist ja nicht so, dass wie nur in Friedberg Bugholzmöbel herstellen. Auch wenn in Österreich Thonet immer mit dem Werk Friedberg in Verbindung gebracht wird: Thonet ist viel, viel mehr. In Friedberg haben wir nur etwa ein Dutzend von insgesamt über 100 Produktfamilien gefertigt.

STANDARD: Wo produzieren Sie noch?

Del Vecchio: In anderen Werken unserer Gruppe. Wir lassen auch von Dritten fertigen, hauptsächlich in Europa, in Zukunft vielleicht auch woanders. Wichtig ist der Ort, an dem ein Produkt ersonnen wird. Das Produkt Thonet wird aus diesem Grund immer stark mit Österreich verbunden bleiben, unbeschadet des Umstandes, wo es produziert wird.

STANDARD: Wird es neue Produkte geben?

Del Vecchio: Thonet ist immer für Innovation gestanden. Der Gründer hat die Möbelerzeugung auf eine industrielle Basis gestellt: Schöne Stücke, die sich viele Menschen leisten können. Diesem Grundgedanken bleiben wir treu, auch wenn wir nun verstärkt in neue Materialien gehen - etwa Kunststoffe, gefertigt mit modernsten Produktionstechnologien.

STANDARD: Das Produkt kann allerdings kopiert werden.

Del Vecchio: Alles kann reproduziert werden. Das ist nur eine Frage der Investition und der Kosten. Mit dem Problem der Kopie muss man jeden Tag umgehen (stro).

ZUR PERSON: Giovanni del Vecchio ist als Geschäftsführer innerhalb der italienischen Möbelgruppe Poltrona Frau für die Gebrüder Thonet Wien GesmbH verantwortlich. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.6.2006)

  • Thonet-Chef Giovanni del Vecchio
    foto: standard/fischer

    Thonet-Chef Giovanni del Vecchio

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