Flut, Dürre und Tod: Leiden am Wetter

11. Juli 2006, 09:19
posten

Hagel und ungewöhnlich große Regenmengen, gleichzeitig bedrohliche Trockenheit

40 Grad Celsius in Mostar -im Schatten, ein neuer Dürresommer in Spanien, sintflutartige Regenfälle, die in Deutschland, an der US-Ostküste und in China zahlreiche Menschenleben fordern: Die Wetternachrichten werden zum Krimi.

***

Wien - Ein Toter, rund 100 Verletzte sowie dreistellige Millionenschäden durch Hagelschlag und Starkregen sind die vorläufige Bilanz der schweren Unwetter im Schwarzwald. Die deutschen Behörden glauben, dass das ganze Ausmaß der Zerstörungen erst in einigen Tagen beziffert werden kann. In einigen Landesteilen gingen über einen Zeitraum von zwanzig Minuten tennisballgroße Hagelgeschosse nieder, die hunderte Autos und Dächer zum Teil schwer beschädigten.

Im Nordosten der USA wurde wegen des bedrohlichen Hochwassers die Evakuierung fast 200.000 Menschen angeordnet. Das ist rund die Hälfte der Bevölkerung der Region von Wilkes-Barre in Pennsylvania. Der Susquehanna erreichte einen Rekordpegel.

In New Jersey, Maryland und New York wurden tausende Menschen in Sicherheit gebracht, einige wurden mit Hubschraubern von den Dächern ihrer überfluteten Häuser gerettet. Den tagelangen Unwettern fielen bisher mindestens zwölf Menschen zum Opfer. Die Nationalgarde bereitete sich darauf vor, Lebensmittel in die betroffenen Gebiete zu bringen.

Sturzfluten in einer Gebirgsregion im Südwesten Chinas haben mindestens 30 Menschen in den Tod gerissen und mehr als 2400 Häuser zerstört. Die Nachricht über diese Verwüstungen in Guizhou erreichten die Öffentlichkeit erst nach zwei Wochen.

"Wir können unseren Kindern vor der Schule nicht einmal das Gesicht waschen", beklagt dagegen Bürgermeister Tomas Sanchez in Cadalso, einer Ortschaft südwestlich von Madrid, die dort herrschende Trockenheit. In Spanien hat es seit Jänner kaum geregnet, der nahe Cadalso gelegene Stausee ist im Vergleich zum Vorjahr nur zu 26 Prozent gefüllt. Landesweit sind die Wasser- reserven auf rund 54 Prozent geschrumpft. Das ist weniger als im Vorjahr - im Jahr 2005 hatte eine Jahrhundertdürre geherrscht.

Im heißen Bergland von Bosnien-Herzegowina, in Mostar, wurden 40 Grad Celsius im Schatten gemessen. (red, DER STANDARD - Printausgabe, 30. Juni 2006)

Share if you care.