Nach Zinserhöhung in den USA ist demnächst Europa dran

27. Juli 2006, 13:52
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Die Konjunktur in Europa laufe zurzeit derart gut, dass eine Zinserhöhung um insgesamt 0,5 Prozentpunkte dem europäischen Wirtschaftswachstum nicht schaden würde

New York/Frankfurt/Wien - "Der Markt ist in einer Warteschleife, die Erhöhung um 25 Basispunkte ist eine ausgemachte Sache, daher rührt die Begründung der Schlüssel", sagte Stuart Ritson, Währungsstratege bei der Rabobank in London, vor der Zinsentscheidung in den USA am Donnerstagabend. "Das Statement dürfte zudem mit dem Verweis auf die nach oben gerichteten Inflationsrisiken auf der einen Seite und mit der Erwartung eines sich abschwächenden US-Wachstums auf der anderen Seite alle Optionen für die kommenden Sitzungen offen halten", sagte HelabaTrust voraus.

Spekulationen auf einen größeren Zinsschritt als 0,25 Prozentpunkte der US-Notenbank Fed wurden von den meisten Analysten unterdessen als übertrieben zurückgewiesen. Trotz einiger Vorteile, die ein solcher großer Zinsschritt mit sich bringen würde, gebe es dafür keine Notwendigkeit, stellten etwa die Analysten von HSBC Trinkaus &Burkhardt fest. "So haben sich die Inflationserwartungen in den USA zuletzt wieder zurückgebildet, und eine zu restriktive Politik birgt das Risiko, die Konjunktur abzuwürgen", sagen die Analysten.

"Zeit zu erhöhen"

Auch für die Euro-Zone werden nun steigende Zinsen erwartet. Beispielsweise hält der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, angesichts der kräftigen Konjunkturerholung eine weitere Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) für angebracht.

"Wenn die Konjunktur so dramatisch anzieht wie derzeit, ist es Zeit, die Zinsen zu erhöhen", sagte Sinn am Rande der Ifo-Jahresversammlung am Donnerstag in München. Er halte dabei durchaus zwei weitere Zinsschritte um je 25 Basispunkte auf 3,0 Prozent für machbar, ohne dass dies der Konjunktur schade. In der jetzigen Lage wirkten Zinserhöhungen nicht schädlich, sondern beruhigend.

Europas Börsen legten zu

Die europäischen Börsen haben am Donnerstag bis zur Handelsmitte jedenfalls zugelegt. Vor allem Minen- und Ölwerte sorgten für Unterstützung. Vor dem am Abend anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank (Fed) wurde im Vorfeld mit einem Abflauen der Aktivitäten an den Börsen gerechnet. "Kaum jemand ist bereit, sich aus dem Fenster zu lehnen", sagte ein Börsianer.

Zwei Banken reagieren bereits auf die bald auch in Europa steigenden Zinsen: Generali Bank und ING-DiBa Austria werden die Sparzinsen per 1. Juli erhöhen. Die Generali Bank bietet für das täglich fällige ErtragsKonto in Zukunft 2,25 statt 2,00 Prozent, die Direktbank ING-DiBa erhöht um 0,25 Prozentpunkte von 2,75 auf 3,0 Prozent. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.6.2006)

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