Bilanz für Prüfer ein Balanceakt

11. Juli 2006, 12:45
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Wirtschaftsprüfungskanzlei: "Entspricht den österreichischen Rechnungslegungsgrundsätzen" - Regeln sehen "keine Rückwirkung" vor

Wien - Die Wirtschaftsprüfer der KPMG verteidigen ihre Bawag-Bilanzierung. Die (durch die Staatshaftung ermöglichte) Bilanz 2005 sei "richtig und entspricht den österreichischen Rechnungslegungsgrundsätzen".

In ihrem Bestätigungsvermerk zum Konzernabschluss weisen sie freilich selbst auf einen gewissen Widerspruch hin: "Im Sinne dieser Haftungsübernahme sind im Konzernabschluss ... Forderungen von 900 Mio. Euro nicht wertberichtigt, obwohl die International Financial Reporting Standards (IFRS; nach diesen Vorschriften wurde 2005 erstmals bilanziert, Anm.)eine rückwirkende Erfassung solcher Haftungsübernahmen nicht vorsehen."

Finanzminister Karl-Heinz Grasser ruft unverdrossen nach Härte: "Der Missbrauch in dieser Bank war dermaßen schamlos, dass rasch ein Exempel statuiert werden muss", forderte er via Oberösterreichische Nachrichten.

Die Staatsanwaltschaft gibt sich unbeeindruckt: "Politische Zurufe an die Strafjustiz sind weder gewünscht, noch notwendig", meint Behördensprecher Gerhard Jarosch. Man sehe "derzeit keine rechtliche Voraussetzung", Verdächtige wie Helmut Elsner in Untersuchungshaft zu nehmen. Was sich jederzeit ändern kann. Jarosch: "Wir prüfen diese Frage ständig."(Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.6.2006)

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