Fluglinien-Chef holt Siemens-Vertrauten

26. Juli 2006, 16:14
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Alfred Ötsch besetzt neu, Vertriebschef verlässt das Unternehmem - Die AUA soll wieder mehr Kundenservice bieten

Wien – Alfred Ötsch, seit Mai neuer AUA-Chef, hat wesentliche Bereiche neu besetzt. Für Aufsehen sorgte der Wechsel von Peter Baumgartner (41), bisher Kommunikationsleiter bei Siemens für Zentral- und Osteuropa und langjähriger Wegbegleiter von Ötsch bei Siemens, zur AUA. Baumgartner wird ab 1. September alle Aktivitäten, die mit Kundenkontakt zu tun haben, inklusive Kabinen Services leiten. Er steht damit dem neu geschaffenen Bereich Produktmanagement und Kunden Service vor, der sowohl den Bodendienst als auch Bord (Linie, Charter und Cargo) betrifft.

Sein Nachfolger bei Siemens soll dem Vernehmen nach Gerald Oberlik werden, derzeit Leiter der Siemens-Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem werden die Bereiche Netzwerk (Streckenverantwortung) und Vertrieb zusammengelegt und von Rudolf Mertl geleitet. Der bisherige Vertriebschef, Christian Schmid, verlässt die AUA und verhandelt derzeit über seine Abfindung.

Entmachtung

Die Bestellung von Baumgartner und Mertl wird intern als Entmachtung von Marketing-Vorstand Josef Burger interpretiert, der für beide Bereiche zuständig ist. Ein Indiz dafür ist, dass Baumgartner nicht dem zuständigen Marketing-Vorstand Burger berichtet, sondern Ötsch direkt. Ötsch habe alle Macht auf sich konzentriert, heißt es, auch interne Mitteilungen werden nicht mehr vom Gesamtvorstand, sondern nur noch von Ötsch unterschrieben. Während sich Ötsch mit Finanzvorstand Thomas Kleibl gut versteht, soll das Verhältnis zu Burger weniger optimal sein. Entmachtet wurde auch der bisherige Flugbetriebsleiter, Kapitän Christian Fitz (46).

Er wird sich künftig um die verbesserte Zusammenarbeit mit dem Flughafen und der Austro Control kümmern. Zum Leiter Flugbetrieb wurde Kapitän Friedrich Strahammer ernannt. Mit der Bestellung des Marketing- und PR-Profis Baumgartner, der selbst angeblich erst seit 14 Tagen von seinem Wechsel weiß, verbinden Insider Veränderungen beim Bordessen. Die Streichung des kostenlosen Essens auf der Kurzstrecke dürfte bald der Vergangenheit angehören. Denn Geschäftsreisende, die aufgrund von Sparmaßnahmen im eigenen Betrieb nicht mehr Business-, sondern Economy-Class fliegen müssen, hätten sich über die Sparsamkeit beklagt. Sie zahlen zwar ein Vollpreisticket, bekommen aber kein Service. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.6.2006)

  • Die Bestellung von Baumgartner und Mertl wird intern als Entmachtung von Marketing-Vorstand Josef Burger interpretiert.
    foto: standard/urban

    Die Bestellung von Baumgartner und Mertl wird intern als Entmachtung von Marketing-Vorstand Josef Burger interpretiert.

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