Keine Einreiseerlaubnis für Ehefrau von Sektengründer Moon

3. Juli 2006, 16:02
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Friedensinitiative: Fürchtet sich Prokop mehr vor "Big Brother" Deutschland oder vor einer "koreanischen Oma"?

Wien - Die Ehefrau des koreanischen Sektengründers und Multimilliardärs "Reverend" Moon Sun Myong möchte laut einer Aussendung am 6. Juli in Wien auf Einladung der "Föderation für Weltfrieden" und der "Österreichischen Frauenföderation" im Rahmen eines "Festivals für den Frieden" sprechen, doch werde der 14-fachen Mutter und 40-fachen Großmutter die Einreise nach Österreich verweigert. Gegen das Oberhaupt der weltweit operierenden "Vereinigungskirche" hatte Deutschland 1995 ein Einreiseverbot verhängt. Innenministerin Liese Prokop (V) wurde in der Aussendung vom Donnerstag gefragt, ob sie sich mehr fürchte vor "Big Brother" Deutschland oder vor einer "koreanischen Oma".

Umstrittene Aktivitäten

Die Aktivitäten der 1954 gegründeten "Vereinigungskirche", die mit ihren Massentrauungen für Aufsehen sorgt, sind umstritten. Sie verfügt über ein Wirtschaftsimperium, das unter anderem eine Reihe von Zeitungen, die Getränkefabriken "Ilhwa" sowie südkoreanische Rüstungsunternehmen umfasst. Ihre Mitgliederzahl liegt nach verschiedenen Angaben zwischen 500.000 und drei Millionen. In den USA, seiner Wahlheimat, verbüßte Moon eine 1983 verhängte achtzehnmonatige Haftstrafe wegen Steuerbetrugs.

Moon Sun Myong hat nach eigener Darstellung von Jesus Christus den Auftrag erhalten, als neuer "Messias" die vor 2000 Jahren begonnene Mission des Christentums zu vollenden. An der Spitze der Sekte stehen Moon und seine Frau als "die Wahren Eltern". Lehrgrundlagen der "Vereinigungskirche" sind die Offenbarungen Moons, die christliches Gedankengut mit Elementen fernöstlicher Religiosität verbinden. Der Kommunismus wird von den Moonisten als "widergöttliche Macht" und "Hauptfeind der Menschheit" bekämpft.

Wegen Bigamie interniert

Moon stammt aus Nordkorea. Von 1948 bis zu seiner Befreiung durch UNO-Streitkräfte 1950 war er unter anderem wegen Bigamie in einem kommunistischen Arbeitslager interniert. 1991 reiste er nach Pjöngjang und wurde vom damaligen Staats- und Parteichef Kim Il Sung empfangen.

In einer spektakulären Massenhochzeit der Moon-Sekte in New York war der ehemalige katholische Erzbischof von Lusaka (Sambia), Emmanuel Milingo, 71-jährig mit der Koreanerin Sung Ryae Soon (46) getraut worden. Die Eheschließung wurde später für ungültig erklärt. Milingo kam daraufhin zur "Buße" in ein italienisches Kloster, die Angetraute beschuldigte den Vatikan, ihn gefangen zu halten. (APA)

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