Staat will Alitalia-Anteile verkaufen

21. Juli 2006, 14:37
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Airlines-Chef soll abgelöst werden - Aeroflot überlegt eine Partnerschaft mit der maroden italienischen Fluggesellschaft

Alitalia befindet sich im Höhenflug. Zumindest an der Börse. Die Papiere der italienischen Fluggesellschaft haben seit Wochenbeginn über zehn Prozent gewonnen. Grund für das plötzliche Interesse ist nicht nur der angekündigte Managerwechsel: Die Regierung Prodi will Alitalia-Chef Giancarlo Cimoli, dessen Sanierungsplan sich bislang als Flop erwies, ersetzen. Industrieminister Pierluigi Bersani bestätigte, dass noch innerhalb der Sommermonate sowohl bei Alitalia als auch bei den stark defizitären Staatsbahnen die Konzernführung verändert werde. Auch erwägt die Regierung Prodi, die staatliche Beteiligung bei Alitalia von derzeit 49 Prozent möglicherweise auf ein Minimum zu reduzieren. Angeblich sind bereits Verhandlungen mit Private-Equity-Gesellschaften, aber auch mit anderen Fluggesellschaften – darunter Aeroflot – im Gange. Texas Pacific Group, Walter Capital und Newton Inc. seien angeblich an einer Beteiligung der Fluggesellschaft interessiert. „Für die Zukunft der Alitalia halten wir uns alle Lösungen offen”, meinte der Industrieminister.

Schiffbruch für Sanierungsplan

Der von Alitalia-Konzernchef Giancarlo Cimoli vor zwei Jahren eingeführte Sanierungsplan erlitt trotz der kräftigen staatlichen Zuschüsse Schiffbruch. Laut CISL-Gewerkschaftsführer Raffaele Bonanni verliert Alitalia monatlich 100 Mio. Euro. Alitalia hat im ersten Quartal 2006 einen operativen Verlust von 198 Mio. Euro verzeichnet. Dieser war nicht nur höher als im Vorjahr, sondern verletzte auch die Vorgaben des Sanierungsplanes. Auch die Schulden übertrafen mit 820 Mio. Euro die Erwartungen. Alitalia hat vor allem bei den rentablen Inlandsflügen Marktanteile eingebüßt und verzeichnet derzeit nur mehr einen Inlandsmarktanteil von knapp über 40 Prozent. Italiens Fluggesellschaft will seine restlichen Immobilien im Wert von 120 Mio. Euro möglichst rasch verkaufen. Eile ist geboten, um die Liquidität zu verbessern und die Bilanz im ersten Halbjahr 2006 zu verschönern. Cimoli hat für das laufende Jahr ein operativ positives Ergebnis versprochen. Ohne Sondereinnahmen wird dies schwer sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.6.2006)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand
  • Die nun gewählte Regierung Prodi kämpft gegen die Zeit, um die
Alitalia vor der Pleite zu retten.
    foto: epa/dal zennaro

    Die nun gewählte Regierung Prodi kämpft gegen die Zeit, um die Alitalia vor der Pleite zu retten.

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