"Kharma" im Ischgler Rotlicht

3. Juli 2006, 16:02
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Prozess wegen Zuhälterei gegen extravaganten Ischgler Hotelier Günther Aloys - "Nicht die leiseste Ahnung" von Bordell

Innsbruck - Der Prozess gegen den bekannten Tiroler Touristiker Günther Aloys am Innsbrucker Landesgericht ist am Donnerstag vertagt worden. Dem Hotelier wurde vorgeworfen, das in seinem Hotel befindliche Massagestudio sei ein "Geheimbordell" gewesen. Gemeinsam mit fünf weiteren Angeklagten verteidigte er sich gegen die Vorwürfe. Der Hauptangeklagte, ein 29-fach vorbestrafter Innsbrucker, entlastete den Hotelier. Er habe von den Vorgängen in dem Massagestudio nichts gewusst.

Er hätte "nicht die leiseste Ahnung gehabt, dass da noch etwas anderes in dem Massagestudio "Kharma" gelaufen" sei, sagte Aloys. Er habe mit dem Angebot von Massagen in der Nacht "etwas Mutiges, etwas Neues" machen wollen, um "wiedermal die Nase vorn zu haben". Er selber sei aber selten im "Kharma" gewesen. "Das war ein großer Fehler. Man darf nie die Kontrolle verlieren. Die Schuld muss ich bei mir selber suchen", meinte er.

120 Euro von Gästen kassiert

120 Euro Eintritt habe sein Türsteher von jedem Gast kassiert, denn "ohne Eintritt geht bei uns schon mal gar nichts. Wir sind ja nicht zum Spaß hier", so Aloys. Das Geld habe er sich mit dem Betreiber des Massagestudios geteilt. Die Nachfrage nach dem Angebot des "Kharma" sei aber sehr dürftig gewesen. Für ihn als Unternehmer sei es ein "wirtschaftliches Drama" gewesen. 150.000 Euro habe er in das Etablissement investiert.

Die vom Hauptangeklagten laut Staatsanwaltschaft organisierten Hausbesuche in Aloys´ zweitem Hotel habe er ebenfalls nicht mitbekommen. Die Mädchen aus dem Massagestudio hätten nicht in die Hotelzimmer dürfen. "Das wäre ein Chaos im Hotel geworden", erklärte er. Gäste würden aber selbst beim Escortservice anrufen, das könne er nicht kontrollieren.

"Revolutionäre Wege" im Tourismus

Günther Aloys dürfte daran gewöhnt sein, "revolutionäre Wege" im Tourismus zu gehen und sich den modernen Bedürfnissen zahlender Gäste erfolgreich anzupassen, hieß es in der 40 Seiten umfassenden Anklageschrift. Eine Wintersaison lang seien im Massagestudio des Hotel "Madelein" mit seinem Wissen"erotische Entspannungsmassagen" durchgeführt worden. Es sei allgemein bekannt gewesen, dass dort manuelle Befriedigung, Oral- und auch Geschlechtsverkehr geboten worden seien, lautete es weiter.

Aloys´ Anwalt hatte bei Prozessbeginn die beiden Richter und die drei Schöffen um ein "faires Verfahren" gebeten. Sein Mandant sei in diesem Prozess "nur eine Randfigur" und es gehe für ihn um sehr viel. Auf Grund der vielen Angeklagten war der Prozess in den Schwurgerichtssaal verlegt worden. Die Verhandlung soll Anfang August fortgesetzt werden. (APA)

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    Günther Aloys sagt, er habe nichts von einem Bordell in seinem Hotel gewusst.

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