Dunkle Wolken schon vor Beginn

30. Juni 2006, 10:08
36 Postings

Gerüchte um Involvierung von Ullrich und Winokurow in spa­nischen Dopingskandal rücken sportliche Belan­ge in den Hintergrund

Straßburg - Über der 93. Tour de France, die am Samstag in Straßburg beginnt, schwebt ein Damoklesschwert. Die spanische Doping-Affäre hat die spannende Frage, wer die Erbfolge des zurückgetretenen Seriensiegers Lance Armstrong antritt, in den Hintergrund gedrängt. Die aussichtsreichsten Kandidaten Jan Ullrich, Ivan Basso oder Alexander Winokurow sollen zum Teil selber in den Doping-Fall verwickelt sein. Nach Informationen des spanischen Radiosenders Cadena Ser sind die Namen von Ullrich und Basso im Ermittlungsbericht aufgetaucht.

Nachdem der Ermittlungsrichter Antonio Serrano die Informationssperre aufgehoben hatte, nannte der Radiosender insgesamt zwölf Fahrernamen. Neben Ullrich und Basso stehen mit Francisco Mancebo, Oscar Sevilla, Joseba Beloki, Juan Antonio Flecha (alle ESP), Denis Mentschow (RUS) und Giovanni Lombardi (ITA) acht Profis in der Startliste der Tour. Die Tour-Organisation reagierte bisher nicht auf die Radioberichte und bereitete unbeeindruckt die Team-Präsentation in Straßburg vor, hatte jedoch schon zuvor unmissverständlich klar gemacht, auch während des Rennens Fahrer nach Hause zu schicken, wenn klare Beweise gegen sie vorliegen.

Ruhe im Ullrich-Lager

Auch im Lager von T-Mobile blieb man bis auf weiteres gelassen. "Wir haben nach dieser Information noch einmal mit Ullrich und Sevilla geredet, und sie haben uns erneut bestätigt, nicht in die Affäre verwickelt zu sein. Wir unternehmen alles, um in diese Sache Licht zu bringen", erklärte T-Mobile-Sprecher Christian Frommert.

Die Befürchtung aber bleibt, der Tour-Skandal von 1998 könnte im Vergleich zu den eventuell bevorstehenden Turbulenzen in den nächsten drei Wochen vielleicht nur ein mittelschweres Gewitter gewesen sein. Erik Zabel nannte die Affäre etwa einen "Flächenbrand"

Jan Ullrich, der zum zweiten Mal nach 1997 das Gelbe Trikot in Paris tragen will, wurde erst am Dienstag nach Beratungen der Tour-Direktoren Grünes Licht für den Start erteilt. Dem neuen Team Winokurows, "Astana-Würth", wurde am Donnerstag vom Internationalen Sport-Schiedsgericht (CAS) in Lausanne der Start erlaubt. Der CAS erteilte damit den Tour-Organisatoren eine Abfuhr, die das die Equipe ausgeladen hatten. Auch 15 Fahrer der Vorgänger-Mannschaft Liberty Seguros sollen laut "El Pais" Kunden der juristisch verfolgten Mediziner Eufemiano Fuentes und Merino Bastres gewesen sein.

Jaksche startet nicht

Winokurows deutscher Team-Kollege Jörg Jaksche zog seine geplante Teilnahme zurück und reiste am Donnerstag krank aus Straßburg ab: "Ich bekomme Antibiotika und kuriere eine Magen-Darm-Infektion aus." Auch sein Name tauchte in "El Pais" im Zusammenhang mit manipulierten Blutkonserven auf. Ullrich und sein Betreuer sowie väterlicher Freund Rudy Pevenage sollen nach Behauptungen der spanischen Zeitung ebenfalls mit Bastres zusammengearbeitet haben. Beide hatten umgehend jeden Kontakt dementiert, Ullrich-Manager Wolfgang Strohband kündigte gegen "El Pais" eine Klage an.

Trotzdem wird die Tour im Jahr eins nach Armstrong, der zur Zeit an mehreren Fronten gegen Doping-Anschuldigungen kämpft, gestartet werden. Zum Prolog am Samstag über 7,1 Kilometer durch die Innenstadt Straßburgs wird dann auch David Millar als heißer Kandidat auf das erste Gelbe Trikot von der Startrampe rollen. Die zweijährige Doping-Sperre gegen den Schotten wegen eingestandenen EPO-Gebrauchs ist erst am vergangenen Freitag abgelaufen.

Ullrich, der nach schwierigem Saisonbeginn rechtzeitig in Form gekommen zu sein scheint, will schon am Samstag "voll auf Angriff" fahren. Nach seiner Ankunft am Mittwoch und einer erneuten Beteuerung seiner Unschuld will er sich jetzt "nur noch auf die Tour" konzentrieren". Das sei er seinem Team und den Fans schuldig. Deutschlands Superstar wirkt im Moment aber sehr angespannt. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Rennmaschinen sind blitzsauber, ein Zustand der bezüglich ihrer Herren erneut bezweifelt werden muss.

Share if you care.