Experte hat kein Vertrauen in Forschungsvorhaben von Pharmafirmen

2. Juli 2006, 11:00
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Verführte Ärzte und kollidierende Interessen - Iain Chalmers fordert mehr Transparenz bei klinischen Tests

Oxford - Der Wissenschaftler Iain Chalmers, Herausgeber der James Lind Library, hat strengere Vorschriften zur Sicherstellung des Informationsflusses über klinische Tests gefordert. Forschungsvorhaben von Pharmafirmen könne so lange nicht getraut werden, bis sie ihre Praktiken geändert hätten. Ärzte konspirierten ebenfalls, häufig durch finanzielle Entschädigungen verführt, mit der Industrie. Der Artikel des früheren Direktor des Cochrane ist im Journal of the Royal Society of Medicine erschienen.

Vorwürfe

Die Pharmaindustrie wurde in der Vergangenheit immer wieder beschuldigt, die Ergebnisse von klinischen Tests nur punktuell zu veröffentlichen und damit zu ermöglichen, dass die ungeschminkten Werte im Verborgenen blieben. Chalmers konzentriert sich in seiner Arbeit auf die Dokumentation der Entwicklung fairer Tests von medizinischen Behandlungsverfahren. "Die Pharmaindustrie macht die Testergebnisse von Verfahren nicht vollständig zugänglich und gefährdet damit die Gesundheit der Menschen. Im Wesentlichen werden unbequeme Informationen unterdrückt, die den Verkauf ihrer Produkte gefährden könnten."

Eine erste Initiative einiger Unternehmen Mitte der neunziger Jahre in Richtung mehr Offenheit und Transparenz sei gescheitert. Der Wissenschaftler fordert, dass alle Pharmaunternehmen die Good Publication Practice Guidelines for Pharmaceutical Companies unterschreiben, die dazu ermutigen, alle Testergebnisse zu publizieren und Mechanismen zu installieren, die die Einhaltung dieser Richtlinien überwachen.

Interessenskollisionen

Manche medizinische Berufe kollidierten in ihren Interessen mit jenen der Industrie, da finanzielle Anreize in einem Ausmaß angeboten würden, das nicht mehr mit der Versorgung der Patienten kompatibel sei. "Ob die Industrie etwas dagegen unternimmt, hängt entscheidend davon ab, wie ernst sie ihren schlechten Ruf in der Öffentlichkeit nimmt." Es wurde laut BBC unter anderem gefordert, dass klinische Tests von Anfang an öffentlich registriert werden müssen, um eine etwaige Befangenheit bei der Veröffentlichung auszuschließen.

Ein Sprecher der Association of the British Pharmaceutical Industry (ABPI) erklärte, dass die öffentliche Registrierung und Veröffentlichung von klinischen Tests wichtig sei. Aus diesem Grund habe die ABPI bei der Ausarbeitung eines weltweiten Abkommens, das im Januar 2005 in Kraft getreten ist, eine führende Position eingenommen. Dieses Abkommen lege fest, dass alle Ergebnisse von klinischen Tests, positiv oder negativ, innerhalb eines Jahres vor der Zulassung eines Medikaments veröffentlicht werden müssen. Bei Studien zu bereits bestehenden Medikamenten müsse die Veröffentlichung ebenfalls innerhalb eines Jahres erfolgen. (pte)

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    Iain Chalmers fordert, dass alle Pharmaunternehmen die Good Publication Practice Guidelines for Pharmaceutical Companies unterschreiben.

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