Offensive ist Trumpf

30. Juni 2006, 19:59
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Deutsch­land soll mit Ar­gentinien nach Durst­strecke endlich wieder einen Großen schlagen - Jürgen Klinsmann: "Wir haben keine Furcht"

Berlin - Für viele Experten haben sich Deutschland und Argentinien bisher als die beiden offensivstärksten Mannschaften im WM-Turnier 2006 präsentiert. Weil auf den Sieger in der Vorschlussrunde entweder Italien oder die Ukraine und damit eine lösbare Aufgabe wartet, wird der Viertelfinal-Schlager am Freitag in Berlin gar schon zu einem kleinen "Vor-Finale" hochstilisiert. "Davor haben wir keine Furcht", sagte Deutschlands Teamchef Jürgen Klinsmann.

Dabei haben die Deutschen seit Oktober 2000 (1:0 im Londoner Wembley-Stadion) in 17 Spielen gegen keine große Nation des Weltfußballs gewonnen, gegen die Argentinier gab es 2005 in zwei Freundschaftsspielen zumindest jeweils ein 2:2. "Wir haben Riesenrespekt vor Argentinien, wir trauen es uns jetzt aber auch zu, eine Mannschaft dieses Kalibers zu schlagen", erklärte Klinsmann.

Zwei Jahre Aufbauarbeit fruchten

Diese Zuversicht ist einerseits das Produkt einer nationalen Fußball-Euphorie, andererseits von zwei Jahren Aufbauarbeit, die der Ex-Teamspieler geleistet hat. "Wir sind jetzt einen großen Schritt weiter", versicherte Klinsmann, der auch gegen den WM-Favoriten auf sein aus Polen gebürtiges Sturmduo Miroslav Klose und Lukas Podolski setzt und an seinem Konzept festhalten will: "Schnell und engagiert nach vorne spielen."

Vorbei scheint die Zeit der biederen deutschen Nationalmannschaft. Paradoxerweise könnte sich ausgerechnet die Verteidigung - in vergangenen Jahren stets der Prunkstück deutscher Mannschaften - als Achillesferse erweisen. Nicht einmal bei den Siegen gegen die Underdogs Costa Rica, Polen und Ecuador wirkte sie immer sicher. In der ersten K.o.-Runde gegen Schweden (2:0) nahm Podolskis schneller Doppelpack den Druck von der Viererkette.

Argentinier in der Vorrunde stark

"Wenn uns das wieder gelingt, haben wir sehr große Chancen", meinte Ballack. "Beide Mannschaften haben im Turnier bisher sehr guten Fußball gespielt." Die Argentinier vor allem in der Gruppenphase beim 6:0 gegen Serbien-Montenegro, im Achtelfinale taten sich die Südamerikaner gegen Mexiko schwerer, benötigten ein Traumtor von Maxi Rodriguez, um in der Verlängerung 2:1 zu siegen.

Der Matchwinner hatte daraufhin mit der Aussage für Aufsehen gesorgt, dass die Mexikaner und deren kompakte Spielweise für Argentinien ein größerer Prüfstein seien als Deutschland. "Die Offensive ist und bleibt unsere beste Waffe", betonte Javier Saviola, der neben Hernan Crespo stürmen und damit erneut die Jungstars Lionel Messi und Carlos Tevez auf die Bank verweisen dürfte.

Keine Lust auf Elferschießen

Den Argentiniern graut im mit 72.000 Zuschauern ausverkauften Berliner Olympiastadion vor allem vor einem Elfmeterschießen. "Wir sollten das Ganze lieber in 90 Minuten oder wie gegen Mexiko in der Verlängerung erledigen", meinte Messi, einer der möglichen Nachfolger des legendären Diego Maradona, der Argentinien 1986 zum bis dato letzten Weltmeistertitel geführt hatte.

"Auch in dieser Mannschaft gibt es Spieler, die etwas Besonderes haben", meinte Argentiniens Nationaltrainer Jose Nestor Pekerman und verwies auf "Fähigkeiten wie in der Weltmeister-Mannschaft von 1986." Ihre jeweils größten Fußball-Legenden haben die beiden Konkurrenten bereits aufgeboten: Während Franz Beckenbauer dem deutschen Team in Berlin Mut zusprach, speiste Maradona in deren Quartier in Herzogenaurach mit den Argentiniern.(APA)

  • DEUTSCHLAND - ARGENTINIEN (Berlin, Olympiastadion, 17 Uhr, Schiedsrichter Lubos Michel/Slowakei)

    Deutschland: 1 Lehmann - 3 Friedrich, 17 Mertesacker, 21 Metzelder, 16 Lahm - 19 Schneider, 8 Frings, 13 Ballack, 7 Schweinsteiger - 11 Klose, 20 Podolski

    Argentinien: 1 Abbondanzieri - 21 Burdisso, 2 Ayala, 6 Heinze, 3 Sorin - 22 Luis Gonzalez, 8 Mascherano, 18 Rodriguez - 10 Riquelme - 7 Saviola, 9 Crespo

    • Riquelme und Ballack Aug in Aug.
      foto: adidas

      Riquelme und Ballack Aug in Aug.

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