Nachlese: Offizieller Beginn des Wahlkampfs

28. Juli 2006, 19:33
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Umfrage räumt Kabila beste Chancen in erster Runde ein - Parlamentswahl: 9707 Bewerber für 500 Abgeordnetensitze

Kinshasa - Einen Monat vor der Parlaments- und Präsidentschaftswahl startete in der Demokratischen Republik Kongo offiziell der Wahlkampf. Insgesamt 25,6 Millionen Wahlberechtigte sind am 30. Juli zur Abgabe ihrer Stimme in 50.000 Wahllokalen aufgerufen.

Das erste freie Votum seit mehr als 40 Jahren soll das Ende des politischen Übergangsprozesses markieren, der mit Ende des Bürgerkrieges (1998 bis 2002) eingesetzt hatte. 46 Jahre nach Erringen der Unabhängigkeit erhoffen sich die Kongolesen von dem Votum den Beginn einer neuen Ära der Stabilität und des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Kabila als Favorit

Die besten Chancen auf das Präsidentenamt werden Amtsinhaber Joseph Kabila eingeräumt. Laut einer im Mai veröffentlichten Umfrage des unabhängigen Meinungsforschungsinstitutes Berci kann er im ersten Wahlgang mit rund 38 Prozent rechnen. Der 35-jährige Staatschef hatte das Amt von seinem Vater, dem früheren Rebellenchef Laurent-Désiré Kabila geerbt, der 2001 von einem Leibwächter getötet worden war. Sein Sohn führt eine Übergangsregierung an, die auch die beiden größten Rebellengruppen einschließt. Die Chefs beider Bewegungen, Jean-Pierre Bemba und Azarias Ruberwa, sind unter Kabila Vizepräsidenten und treten nun gegen ihn an.

Weitere der insgesamt 33 Kandidaten für das Präsidentenamt entstammen dem Lager des 1997 entmachteten Diktators Mobutu Sese Seko, darunter dessen Sohn Nzanga Mobutu. Die von Etienne Tshisekedi geführte größte Oppositionspartei UDPS boykottiert die Wahl. Der einzige Kandidat aus diesen Reihen ist Antoine Gizenga. Der 80-Jährige könnte laut Berci-Umfrage in der ersten Wahlrunde nach Kabila auf den zweiten Platz kommen.

9707 Bewerber für 500 Abgeordnetensitze

In der zeitgleich stattfindenden Parlamentswahl bewerben sich 9707 Kandidaten um die 500 Abgeordnetensitze. Die Wahlen in einem Land so groß wie Westeuropa stellen einen riesigen logistischen und politischen Kraftakt dar. Besonders in den östlichen Regionen Kivu, Ituri und Katanga, wo der Krieg besonders heftig wütete, ist die Lage weiter angespannt.

Die größtenteils von der internationalen Gemeinschaft finanzierte Wahl wird von einer 17.600 UNO-Truppe geschützt. Auf Bitten der UNO wird die EU zusätzlich bis zu 2000 Soldaten in einer viermonatigen Friedensmission in die Region entsenden. Die deutsche Bundeswehr beteiligt sich mit 780 Soldaten. Etwa 5000 nationale und 500 internationale Beobachter sollen den Wahlverlauf überwachen. (APA)

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    Anhänger des Präsidentschaftskandidaten Joseph Kabila bei einer Demonstration in Kinshasa. Kabila gilt laut Umfragen als Favorit für die Wahl am 30. Juli.

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