Kinderbuggys mit Schadstoffen

29. Juni 2006, 13:53
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Laut Stiftung Warentest häufig mit Schadstoffen belastet, aber keine akute Gefährdung - Deutsche Konsumentenschützer fordern Eingreifen der EU-Kommission

Berlin - Kinderbuggys sind laut einer Untersuchung häufig mit Schadstoffen belastet. Bei zwei von 15 untersuchten Wagen seien als Krebs erregend geltende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) festgestellt worden, in anderen Fällen auch Weichmacher und Organozinnverbindungen, berichtete die deutsche Stiftung Warentest in der Juli-Ausgabe ihrer Zeitschrift "Test". Der deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte ein Eingreifen der EU-Kommission.

Schadstoffe in oft berührten Teilen

Nach Angaben der Stiftung Warentest wurden die beanstandeten Substanzen in Teilen der Buggys gefunden, die Eltern notgedrungen berühren müssen und an die der Nachwuchs leicht herankommt. Dazu gehörten Griffe, Schutzbügel, Polster und Textilbezüge.

Keine akute Gefährdung

"Akut gefährlich ist das nach heutigem Wissen nicht, weder für die Kleinen noch für die Großen", heißt es in dem Bericht. Allerdings sei unbekannt, ob und wie sich mehrere bedenkliche Stoffe ergänzten und was eine Dauerbelastung über mehrere Jahre bewirke.

Aufruf zu Rückruf

"Diese Ergebnisse der Stiftung Warentest sind ein Skandal", sagte vzbv-Chefin Edda Müller in Berlin. Sie rief die Firmen auf, die belasteten Kinderwagen unverzüglich freiwillig zurückzurufen. Die EU-Kommission solle eingreifen: "Verbraucherschutzkommissar Kyprianou muss jetzt aktiv werden."

Keine festgelegten Werte

Bei den PAKs stehen die zuständigen Gewerbeaufsichtsämter den Angaben zufolge vor einem Problem. Anders als für die Belastung am Arbeitsplatz oder der Luft gebe es für Verbraucherprodukte keine gesetzlich festgelegten Grenzwerte. Zudem seien behördlich angeordnete Produktrückrufe nur schwer durchzusetzen.

Beim Kriterium Handhabung erreichte keiner der 15 getesteten Wagen eine bessere Note als "befriedigend". Die Konsumentenschützer testeten nach eigenen Angaben unter anderem die Fahreigenschaften, das Zusammenlegen und Aufklappen sowie das Ein- und Verstellen. (APA/AP)

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    In Griffen, Schutzbügeln, Polstern und Textilbezügen wurden schädliche Substanzen gefunden

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