Volksbanken trimmen sich börsenfit

17. Juli 2006, 14:55
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Österreichische Volksbanken AG zählt sich nicht zu "Top-Interessenten" bei der Bawag - Franz Pinkl, will die Bank „qualitativ“ für die Börse herrichten

Der Chef der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG), Franz Pinkl, glaubt nicht, dass die ÖVAG beim Verkauf der Bawag große Chancen haben wird. Die Bawag biete wegen der ausstehenden EU-Genehmigung für die Staatshaftung und den noch nicht unterschriebenen US-Vergleich derzeit ein „Bild der Unsicherheit“, stellte der Bankchef unsentimental fest. Und: „Wir werden uns mit einem Angebot intensiv und ernsthaft auseinandersetzen, allerdings aus der zweiten oder dritten Reihe und sicher nicht als Top-Interessenten.“

Was die ÖVAG an der Bawag „strategisch“ reizte, wären deren 1,2 Millionen Kunden samt dem damit verbundenen saftigen Kuchenstück von zwölf Prozent Marktanteil im Retail. Die ÖVAG hat rund acht Prozent – einem allfälligen Bawag-Erwerb stünden daher keine kartellrechtlichen Gründe entgegen.

Bei den ÖVAG-Mehrheitseigentümern, den Volksbanken (sie halten rund 57 Prozent; 25 Prozent gehören der deutschen DZ Bank, zehn Prozent der Ergo- und Victoria-Versicherung, sechs Prozent der Raiffeisen Zentralbank) konstatierte Pinkl, der am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten zu Gast war, „eine positive Grundstimmung“ zur Bawag-Frage.

Börsenfit-Programm

Nachdem die Integration der Investkredit in die ÖVAG „im Zeitplan“ sei, schmiedet Pinkl schon seinen nächsten Fünf-Jahres-Plan. Er möchte die Gruppe „börsenfit machen“, allerdings mit der taktischen Einschränkung, dass das „nicht heißt, dass die ÖVAG wirklich an die Börse gehen muss. Es geht um unsere Qualität.“ Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) soll sich bis 2010 auf 500 Mio. Euro verdoppeln, Kostenstruktur und Eigenkapitalrentabilität verbessern. „Schaffen wir das, dann ist das wie die Besteigung der Eigernordwand“, verglich es der passionierte Wanderer.

Im Ausland setzt er auf „organisches Wachstum“; in Österreich auf die „Optimierung des Einsatzes: Wir müssen die Automation so einsetzen, dass sich die Kunden nicht weggeschickt fühlen, aber wir unsere Beratung und Verdienstmöglichkeiten verstärken können.“ Denn mit einem rechnet der ÖVAG-Chef nicht: mit höheren Margen.

Der Chef der Österreichischen_Volksbanken AG, Franz Pinkl, könnte einem Bawag-Kauf zwar einiges abgewinnen (etwa Zuwächse im Privatkundengeschäft), als „Top-Interessent“ sieht er die ÖVAG aber nicht . Ob mit oder ohne Bawag will er die Volksbank börsenfit machen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.6.2006)

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    ÖVAG-Generaldirektor Franz Pinkl sieht ein großes Bild der Unsicherheit.

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