Finanzierungsstopp für niederländische Tochter

17. Juli 2006, 10:22
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Wenig Freude mit seiner niederländischen Tochter De Eendracht hat der Papierindustrielle und Ex-ÖIAG-Chef Alfred Heinzel

Wien - Wenig Freude mit seiner niederländischen Tochter De Eendracht hat der Papierindustrielle und Ex-ÖIAG-Chef Alfred Heinzel: Angesichts anhaltender Schwierigkeiten mit der neuen Kartonmaschine im Werk Appingedam, Holland, hat die Heinzel Holding die Finanzierung für ihre niederländische Tochtergesellschaft De Eendracht B.V. mit sofortiger Wirkung eingestellt, teilt das Unternehmen am Donnerstag mit. Die Heinzel Holding hält einen Anteil von 83 Prozent an De Eendracht, auf die bisher etwas weniger als 10 Prozent des Gruppenumsatzes von zuletzt 558 Mio. Euro entfielen.

"Diese schwierige Entscheidung mussten wir treffen, um größeren Schaden für die übrige Gruppe abzuwenden", so Alfred Heinzel. Die mit dem Neubau der Kartonmaschine verbundene Produkt- und Qualitätsstrategie Premium-Karton zu erzeugen und zu einem entsprechend hohen Preis abzusetzen, konnte nicht zu den erforderlichen betriebswirtschaftlichen Bedingungen realisiert werden.

Die Probleme mit der neuen Anlage konnten trotz zwischenzeitlicher Verbesserungen letztlich nicht nachhaltig bereinigt werden, so Heinzel. Um nicht weitere Verluste anzuhäufen, war es aus kaufmännischer Vorsicht notwendig, einen Schlussstrich zu ziehen. Dies sei bedauerlich, aber essenziell für die weitere Entwicklung der Gruppe.

Alternativen für Weiterführung

Parallel zur rechtlich erforderlichen Einleitung eines Verfahrens zur Aussetzung der Zahlungen durch De Eendracht B.V. werden nun Alternativen für eine mögliche Weiterführung des Unternehmens gesucht. Ob und mit wem Verhandlungen geführt werden, war heute aus dem Unternehmen nicht zu erfahren.

Die übrigen Gesellschaften der Heinzel Gruppe haben sich heuer wesentlich besser als im Vorjahr entwickelt. Bei der Zellstoff Pöls AG sind die angestrebten Tagesleistungen nach dem Umbau im vergangenen Jahr genau im Plan, und auch bei der tschechischen Biocel Paskov a.s. verläuft die Entwicklung sehr positiv. Pünktlich angelaufen ist mit April 2006 die Produktion der neu errichteten Zellstofffabrik Estonian Cell in Estland. Das Werk - es wird zunächst 140.000 Jahrestonnen BCTMP Hochausbeutezellstoff aus Espenholz erzeugen - konnte bereits erste Markt-Erfolge erzielen.

Auf Grund der guten Entwicklung in Pöls, Paskov und Estland rechnet Heinzel weiterhin mit einer spürbaren Verbesserung des operativen Gruppen-Ergebnisses. Unterstützt werde diese Einschätzung durch ein Anziehen der Zellstoff- und Papierpreise, wodurch das Unternehmen die gestiegenen Holzkosten teilweise abfedern konnte. Das Gesamtergebnis für 2006 werde aber durch die zu erwartende Wertberichtigung der niederländischen Tochtergesellschaft negativ sein. 2005 betrug der Jahresverlust der Gruppe 13 Mio. Euro. (APA)

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    "Diese schwierige Entscheidung mussten wir treffen, um größeren Schaden für die übrige Gruppe abzuwenden", so Alfred Heinzel.

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